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Dogma oder frischer Wind: Was ist dran an der Gemeinwohl-Ökonomie?

Referentin Dr. Petra Aisenbrey (Berliner GWÖ-Gruppe) und Herr Esser (NNZ GmbH, Lüneburg)

Schließlich hat dann doch noch alles geklappt und die Internetleitung stand: So konnten die Teilnehmerinnen und Teilnehmer fast in Echtzeit die Präsentation der Gemeinwohl-Bilanzen der Berliner Unternehmen Märkisches Landbrot und Ökofrost miterleben.

Dreimal im Jahr treffen sich die Unternehmen des Innovationsverbundes Nachhaltiger Mittelstand (INaMi) des Centre for Sustainability Management (CSM), um über aktuelle Fragestellungen und Positionen rund um nachhaltiges Wirtschaften zu diskutieren. Ende April waren die INaMi-Unternehmen zu Gast beim Lüneburger Verpackungshersteller NNZ GmbH. Dieses Mal ging es um die Gemeinwohl-Ökonomie (GWÖ), die nicht nur in der Bio-Branche für Furore sorgt. Was also ist die GWÖ und was haben kleine und mittlere Unternehmen (KMU)davon?

Zur Beantwortung dieser und anderer Fragen war Dr. Petra Aisenbrey (Aisenbrey, Richter & Partner) von der Berliner GWÖ-Gruppe angereist. Sie hat u.a. die Firma Ökofrost bei der Erstellung ihrer Gemeinwohl-Bilanz (GWB) unterstützt. So konnte sie eine Ahnung davon vermitteln, welche Reflexionen in einem Unternehmen angestoßen werden, sobald sich ein Team mit der Erstellung einer GWB befasst.

Diese Bilanz unterscheidet die GWÖ von zahlreichen anderen alternativen Wirtschaftsformen. Sie bildet die Maximen der GWÖ – z. B. Kooperation (statt Konkurrenz), Gemeinwohl-Orientierung (statt Egoismus) – in einer Matrix ab. Die GWB misst also nicht den finanziellen Erfolg, sondern die Auswirkungen des unternehmerischen Handelns auf das  soziale und ökologische Umfeld.

Dr. Holger Petersen, der das INaMi-Projekt am CSM koordiniert, zeigte in seinem einführenden Impulsvortrag auf, dass die Ökonomie (und angrenzende Wissenschaften) seit ihren Anfängen von der Fragestellung beherrscht wird, wie sich Armut bekämpfen und Wohlstand herstellen lässt. Dabei stehen sich, zugespitzt, zwei Positionen gegenüber: die Anhänger des „Eigennutzen“ und die „Gemeinwohl-Orientierten“.

Am Nachmittag konnten die teilnehmenden Unternehmen schließlich selbst erste Erfahrungen beim Erstellen einer GWB machen. In Begleitung des INaMi-Teams und mit tatkräftiger Unterstützung von Petra Aisenbrey erarbeiteten die Unternehmer jeweils einen Bilanzpunkt der GWÖ: „Ethisches Beschaffungsmanagement“, „Ethische Kundenbeziehungen“ und „Gerechte Verteilung der Arbeit“. In allen Gruppen wurden die einzelnen Aspekte durchaus kritisch diskutiert und hinsichtlich ihrer Anwendbarkeit in KMU überprüft. Und schon steckte man mitten in den angesprochenen Reflexionsprozessen …

Die nahe Zukunft wird zeigen, in welche Richtung sich die GWÖ entwickelt. „Geht es darum, grüne Unternehmen noch grüner zu machen oder schafft die GWÖ den Sprung in den Mainstream?“, fasste Petra Aisenbrey aktuelle Diskussionen aus der Berliner GWÖ-Gruppe zusammen. Die INaMi-Unternehmen haben aus der Veranstaltung zur GWÖ zahlreiche Impulse und viele Fragestellungen mit in den betrieblichen Alltag genommen.

Der nächste große INaMi-Workshop findet im August statt. Dann wird es um Trends der Nachhaltigkeit gehen.

Andreas Schmitt-Sattelberg