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Green Skills

Green Skills“, sind zurzeit in aller Munde. Was genau verbirgt sich eigentlich hinter dieser vermeintlichen Zauberformel? Was unterscheidet diese „Green Skills“ von „Soft Skills“ und wo kann man sie erwerben?

Die Situation dürfte den meisten vertraut sein: Ein Unternehmen beschließt eine Nachhaltigkeitsstrategie und will Nachhaltigkeitsmessungen und –eine entsprechende Berichterstattung einführen. Etwas ratlos wird in der Personalabteilung nachgefragt, wer sich im Unternehmen damit auskennen könnte. Wer hat die Qualifikationen, um die Maßnahmen umzusetzen und wer kann die Kolleg/innen zur Mitarbeit motivieren? Wenn die Antwort vor allem aus ratlosem Schweigen besteht, sind Sie in bester Gesellschaft. Manchmal jedoch erinnert man sich: Da gibt es doch jemanden in der und der Abteilung X, eine Frau-wie-hieß-sie-noch-gleich, die diesen MBA Studiengang Sustainability Management studiert.

Ein Blick in die Stellenanzeigen zeigt, dass sie immer öfter gesucht werden – die Expert/innen des Nachhaltigkeitsmanagements, die mit kühlem Sachverstand und hoher Nachhaltigkeitsexpertise beherzt zur Sache gehen.

In dieser Reihe präsentieren wir Ihnen Persönlichkeiten, die es geschafft haben: Reflektierte Entscheider/innen, tatkräftige Macher/innen und hartnäckige Optimisten/innen – eben Change Agents for Corporate Sustainability!

 

Monique Isenheim, Gründerin von „Green In Berlin“, ist eine von ihnen. Nach vier Jahren im Business-to-Business Bereich bei Bayer Healthcare wechselte sie in den Non-Profit Sektor. Von Berlin über die Bay Area Green Tours in Kalifornien führte ihr ungewöhnlicher Weg sie nach Sydney, wo sie heute beim WWF, dem World Wide Fund for Nature, strategische Partnerschaften mit Schlüsselunternehmen aus Branchen wie der Papierindustrie und dem Einzelhandel aufbaut und betreut. Eines ihrer beruflichen Standbeine befindet sich dabei jedoch weiterhin in Berlin: Ihr Projekt „Green In Berlin“ erfreut sich regen Zulaufs.

 

Das Interview:

Frau Isenheim, was hat Sie bewogen, sich aus Ihrer erfolgreichen Position bei Bayer Healthcare heraus noch einmal weiterzubilden, warum ein MBA Sustainability Management?

Ich wollte gern meine professionellen Erfahrungen und Fähigkeiten einsetzten, um Dinge zu bewegen, die mir persönlich sehr wichtig sind. Unternehmerische Tätigkeiten sind einerseits die Ursache vieler Umweltprobleme. Gleichzeitig können innovative Unternehmen nachhaltige Lösungen entwickeln und das Verhalten von Kunden, Lieferanten und Wettbewerbern beeinflussen. Der MBA führt genau diese Themen – Wirtschaft und Nachhaltigkeit – zusammen.

Was war Ihr ursprüngliches Ziel? Hätten Sie gedacht, dass Sie jemals in Australien landen und sich dort für Tierarten wie den Orang-Utan engagieren würden?

Mein Ziel war eine Position an der Schnittstelle zwischen Wirtschaft und Umweltschutz, in der ich ernsthaft etwas bewegen kann. Die Qualifikation durch den MBA ermöglicht ja eine ganze Reihe spannender Arbeitsgebiete, z.B. im Nachhaltigkeitsmanagement in Unternehmen, als Beraterin, im Management von “grünen” Start-Ups oder Unternehmen und im Non-Profit Bereich. Dass ich jetzt für den WWF in Australien arbeite, ist für mich persönlich sozusagen der Schokostreusel auf der Sahne auf dem Eis. Die Arbeit mit den Unternehmen reduziert nicht nur deren eigenen ökologischen Fußabdruck, sie hat auch wichtige Signalwirkung für Kunden, Lieferanten und Mitbewerber. Gleichzeitig helfen die Partnerschaften dabei, wichtige Projekte des WWF zu unterstützen – wie zum Beispiel die Arbeit im Herzen Borneos.

Sie verhandeln heute auf Augenhöhe mit Großunternehmen wie Kimberly-Clark und bringen dort Umweltanliegen ein. Was ist aus Ihrer Sicht ausschlaggebend für erfolgreiche Verhandlungen an der Schnittstelle Wirtschaft-Umwelt? Welche spezifischen Talente sind gefragt?

Wenn man langfristig etwas zusammen bewegen will, muss man Partnerschaften schaffen, von denen beide Seiten profitieren. In meiner Rolle ist es einerseits wichtig, die Perspektive und Motivation von Unternehmen zu verstehen, also ihre „Sprache“ zu sprechen. Gleichzeitig ist man Partner auf Augenhöhe und formuliert konkrete und ambitionierte Ziele. Wenn man es schafft, Umweltanliegen so zu adressieren, dass dem Unternehmen daraus ein Wettbewerbsvorteil entsteht – zum Beispiel durch niedrigere Kosten, ein reduziertes Geschäftsrisiko oder Differenzierung von Mitbewerbern -, erreicht man letztlich mehr als mit philanthropischen Hauruck- Aktionen.

Viele von uns träumen davon, einmal alles stehen und liegen zu lassen und ins Ausland zu gehen. Sie haben es gewagt. Sie waren bei den Bay Area Green Tours in Kalifornien, nun in Sydney – Traumziele, Traumjobs für viele Deutsche. Wie kommt man dahin?

Ich würde sagen hartnäckig sein und nicht auf die vermeintlich perfekte Gelegenheit warten.
Ich glaube, gerade wir Deutschen wollen gern zu alles zu 100 Prozent unter Kontrolle haben, alles vorausplanen und jedes Risiko vermeiden. Wenn man im Ausland leben und arbeiten möchte, lässt einfach sich aber nicht jedes Detail planen. Der Respekt vor Unsicherheiten kann lähmend sein. Natürlich sollte man nicht ins kalte Wasser springen, wenn man nicht schwimmen kann, aber man muss auch kein Ian Thorpe sein. Viele Berufseinsteiger erhoffen sich von globalen Unternehmen die Möglichkeit, einmal im Ausland zu arbeiten. Entsendungen lohnen sich aber meistens nur bei Mitarbeitern, die schon einige Jahre im Unternehmen gearbeitet haben. Wenn es dann soweit ist, hat man bei der Wahl des Ziels selten freie Auswahl oder mittlerweile andere Prioritäten. Ich denke, wer es ernst meint, die nötige Ausbildung und ein wenig Berufserfahrung gesammelt hat, hat die besten Chancen, wenn er oder sie es direkt versucht.

Sie haben einen Weg zurückgelegt, der sicher einige Herausforderungen für Sie mitbrachte. Was waren die größten Hürden für Sie, sowohl im Innern (der innere Schweinehund, Befürchtungen), als auch in der Außenwelt (Freunde, Kollegen, Familie, Widerstände)?

Die Entscheidung, von einer sicheren Position in einem Dax-Unternehmen, mit guten Aufstiegsmöglichkeiten und einem tollen Team zu einem kleinen Non-Profit Start-Up in den USA zu wechseln um dort nur einen Bruchteil des bisherigen Gehaltes zu verdienen, habe ich mir nicht leicht gemacht. In meinem Umfeld hat das auch nicht jeder verstanden. Letztlich war es eine der besten Entscheidungen überhaupt. Bei Bay Area Green Tours habe ich das Non-Profit Leben live erlebt und es gibt wohl kaum einen besseren Ort als Kalifornien, um mit Start-Ups und grünen Pionieren zu arbeiten. Die Gründermentalität ist inspirierend und ansteckend, schließlich ist Green In Berlin entstanden. Beim nächsten Umzug, nach Australien, war der Respekt vor dem großen Schritt schon nicht mehr annähernd so groß.
Familie und Freunde sind jetzt allerdings noch weiter weg. In Zeiten von Skype, Viber und Email kann man aber dennoch gut in Kontakt bleiben. Außerdem haben wir natürlich ein Schlafsofa für Besucher.

Was hat Ihnen am meisten dabei geholfen, alle Durststrecken durchzustehen und der Umsetzung Ihres Traums unbeirrt zu folgen? Was können Sie anderen empfehlen?

Ich glaube, es ist wichtig, ein sehr klares Ziel vor Augen zu haben und konsequent zu verfolgen. Wenn man ganz  konkret weiß, was man möchte, kann man darauf hinarbeiten, sich weiterbilden, bestimmte Herausforderungen bewusst suchen, Prioritäten setzen. Dazu gehört auch Geduld: Das Ziel, eine Zeitlang im Ausland zu arbeiten, und ganz besonders in Australien, hatte ich schon als Teenager.

Nun würden wir noch gerne von Ihnen erfahren, was Sie ganz persönlich unter „Green Skills“ verstehen?

Eine der wichtigsten Green Skills in der Arbeit in oder mit Unternehmen ist aus meiner Sicht, die größten Hebel für unternehmerische Nachhaltigkeit zu identifizieren. Natürlich ist es toll, wenn ein Unternehmen seine Büros mit Energiesparlampen ausstattet, aber einen echten Unterschied wird man erst machen, wenn man die Dinge angeht, die die größten Umweltauswirkungen haben. Dazu muss man nicht nur das Unternehmen und die Prozesse in der Gesamtheit erfassen, sondern auch die gesamte Wertkette einbeziehen.

Und als Abschlussfrage: Sehen Sie sich eher als reflektierte Entscheiderin, als tatkräftige Macherin oder als hartnäckige Optimistin?

Das klingt ja alles sehr bewundernswert, ich hoffe, es trifft ein bisschen von allem zu.

Frau Isenheim, vielen Dank für das Interview.


Interview: Katrin Heeren

 

Wer sich weiter zu diesem Themengebiet mit uns und anderen Interessierten austauschen möchte, ist herzlich in unsere Xing-Gruppe „MBA Sustainability Management, Leuphana Universität Lüneburg“ eingeladen.

www.sustainament.de