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Wo geht es hin mit der Nachhaltigkeit? Vom Umgang mit Trends im Unternehmen

Professor Holger Rust zu Gast im Innovationsverbund „Nachhaltiger Mittelstand“ (INaMi)

Ganz im Zeichen der Zukunft stand der August-Workshop des Unternehmensverbundes „Nachhaltiger Mittelstand“ (INaMi). Welche Trends wirken auf nachhaltig wirtschaftende Unternehmen? Was bedeutet der „Megatrend“ Nachhaltigkeit für kleine und mittlere Unternehmen (KMU)? Und wie geht man gut gerüstet in etwas derartig Ungewisses wie die Zukunft?

Prof. em. Holger Rust zu Gast am Centre for Sustainability Management (CSM) / Foto: M. Busch/Leuphana

Zur Beantwortung dieser und weiterer Fragen war Professor Holger Rust angereist. Holger Rust hat sich nicht nur als Kritiker der kommerziellen Trend- und Zukunftsforscher einen Namen gemacht, sondern in zahlreichen Projekten mit großen und mittelständischen Unternehmen Erfahrungen im Zukunftsmanagement gesammelt. Und ist bei seinen empirischen Arbeiten immer wieder auf zwei Herausforderungen gestoßen:

  • Zum einen handelt es sich um eine mathematische Herausforderung, da ohne verlässliches Zahlenmaterial ein Scheitern vorhersehbar ist.
  • Daneben existiert aber auch die hermeneutische Herausforderung,  Akteure in die Lage zu versetzen, Realität als einen zu interpretierenden Text zu begreifen, um die Geschichten hinter den Phänomenen zu verstehen.

Was bedeutet es also beispielsweise“, fragte Holger Rust in die Runde, „dass das Wohnen in Lofts immer gleich inszeniert wird? Warum darf auf keinem Foto ein lässig an die Wand gelehntes Fahrrad fehlen?

Im Sinne einer „Dritten Kultur“ (in Anlehnung an die zwei Kulturen bei C.P. Snow) gehe es also um eine kommunikative Vereinigung dieser beiden Sphären, um der Mathematik die richtigen Fragen zu stellen und gleichzeitig von der einseitigen Fixierung auf Kennzahlen loszukommen.

Arbeitsphase: INaMi-Unternehmen analysieren vermeintliche Trends (Fotos: M. Busch/ Leuphana)

In der anschließenden Arbeitsphase stellten sich die INaMi-Unternehmen genau solchen kommunikativen Aufgaben. In verschiedenen Arbeitsgruppen analysierten sie vermeintliche Trends wie „Regionalität“, „Demographischer Wandel“ und „Direktvermarktung“ und erarbeiteten Positionen für ihre Unternehmen.

Denn um dem Ungewissen (also der Zukunft) mit Weitsicht und Souveränität zu begegnen, brauche es, so Holger Rust, keine teuren Trendstudien der kommerziellen Zukunftsforscher. Stattdessen lohne es sich, in den Unternehmen kommunikative Strukturen zu etablieren, in der die Kompetenzen aller Mitarbeitenden einfließen könnten. Denn so manche Erfolgsgeschichte mag in etwa so begonnen haben: Eines Tages erzählte ein Azubi in seiner Firma schier Unglaubliches: Auf dem Weg zur Arbeit habe er einen Erwachsenen gesehen, der seine (also jugendliche!) Schuhe getragen habe … Der Rest der Geschichte ist schnell erzählt.

Der Innovationsverbund „Nachhaltiger Mittelstand“ fördert im Rahmen des EU-Innovations-Inkubators der Leuphana die Wirtschaft der Region. In regelmäßigen Abständen finden neben Arbeitsgruppen Veranstaltungen zu verbundübergreifenden Themen statt.

Ausblick: Beim nächsten Mal (27. November 2013) wird es um Fragen rund um Ökobilanzen gehen.

Text: Andreas Schmitt-Sattelberg