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Energiewende trifft Unternehmertum

Stellungnahme zur neuen Gastprofessur an der Leuphana Universität Lüneburg: Die Energiewende ist eine große Herausforderung für alle beteiligten Akteure: Politik, Unternehmen und Haushalte. Dabei wird häufig die Politik in den Vordergrund gestellt – die Rolle von Unternehmen als „Akteure“ der Energiewende bleibt vergleichsweise unterrepräsentiert oder wird nur einseitig beleuchtet.

Prof. Erik G. Hansen

Prof. Erik G. Hansen - Gastprofessur Management der Energiewende

Im Rahmen des von der europäischen Union geförderten Großprojekts „Innovations- Inkubator“ hat die Leuphana Universität Lüneburg seit Ende 2013 die Gastprofessur „Management der Energiewende“ geschaffen, die untersuchen soll, wie mittelständische Unternehmen ihre Kernkompetenzen und Innovationskraft für die Energiewende erfolgreich einsetzen können. Ziel ist es, sowohl international sichtbare Forschung zu betreiben als auch durch konkrete Kooperationsprojekte und die Generierung von anwendungsorientiertem Wissen Impulse in die regionale Wirtschaft zu leisten.

Energiewende für Unternehmen auf zwei Ebenen

In Bezug auf Unternehmen kann die Energiewende auf zwei unterschiedlichen Ebenen betrachtet werden: Auf der ersten Ebene sind Unternehmen zunächst Energieverbraucher, die unmittelbar von den Auswirkungen der Energiewende betroffen sind. Die Belastung von Unternehmen (neben den Haushalten) mit steigenden Energiekosten, insbesondere beim produzierenden Gewerbe, hat dazu geführt, dass die Energiewende zuletzt weitgehend auf eine Kostendebatte reduziert wurde. Einige Vorreiter-Unternehmen haben es sich jedoch zur Aufgabe gemacht, die Energiewende im eigenen Unternehmen selbst voranzutreiben. Dabei wird dies sowohl von einer Vision der Energie-Autarkie als auch von der Klimaneutralität angetrieben. Oder noch ambitionierter: Beispielsweise hat die J. Schmalz GmbH, ein Weltmarktführer für Vakuum-Technologie aus Baden-Württemberg, sich nach umfassenden betrieblichen Investitionen in Energie-Effizienz und erneuerbare Energien zu einem „Positiv-Energie-Unternehmen“ entwickelt – es wird vom Betrieb mehr Energie produziert als verbraucht. Die Firmeninhaber sehen dies als Investition in ihre unternehmerische Unabhängigkeit, Unternehmensreputation und damit letztendlich auch Wettbewerbsfähigkeit an.

Perspektiven & Innovationpotentiale

Auf der zweiten Ebene wird die Energiewende als unternehmerische Chance und somit aus der Innovationsperspektive betrachtet. Dies betont die Marktchancen, die durch die großen Veränderungen aufgrund der Energiewende im Speziellen und der ökologischen Herausforderungen des Klimawandels im Allgemeinen entstehen. Welche neuen Technologien, Produkte, Dienstleistungen und Geschäftsmodelle, die einen signifikanten Beitrag zur stärkeren Diffusion von erneuerbarer Energien, Energieeffizienz und Suffizienz leisten, können entwickelt und erfolgreich vermarktet werden? Es ist also die klassische Tugend des deutschen Mittelstands gefragt: Großen Herausforderungen durch Investitionen in Forschung und Entwicklung gepaart mit kreativen Problemlösungsprozessen zu begegnen und damit neue Lösungen am Markt anzubieten oder neue Märkte überhaupt erst zu entwickeln. Beispielsweise hat der Stromhändler Lichtblick aus Hamburg das zunächst auf den Stromhandel konzentrierte Geschäft mit einer Geschäftseinheit für hocheffiziente Kraft- Wärme-Kopplungs-Anlagen (KWK) und begleitende Dienstleistungen ausdifferenziert. Aber natürlich geht es nicht nur um Unternehmen der Energiebranche. Das Unternehmen Huhle Metall- und Stahlbau aus Hessen hat beispielsweise die Kernkompetenzen aus dem Metallbau genutzt, um ein Geschäftsfeld für Produkte und Dienstleistungen für kundenindividuelle Photovoltaik- Konstruktionen aufzubauen.

Bedingungen für Innovations- und Gründungsvorhaben

Nicht zu vergessen sind natürlich auch die zahlreichen Neugründungen von Unternehmen im Kontext der Energiewende. Derartige Innovations- und Gründungsvorhaben sind mit hoher Unsicherheit behaftet – teilweise höher als bei konventionellen Innovationsprozessen – da meist unklar ist, wie sich politische Rahmenbedingungen entwickeln, wie schnell sich Einkaufspräferenzen verändern, welche technologischen Optionen sich langfristig durchsetzen werden, und wie sichergestellt werden kann, dass Innovationsvorhaben tatsächlich einen positiven ökologischen Beitrag leisten und somit erst erfolgreich zur Energiewende beitragen („Richtungssicherheit“). Die Reduktion der Unsicherheit kann nicht immer von Unternehmen alleine bewältigt werden – insbesondere im Fall von mittelständischen Unternehmen. Hier setzt die neue Gastprofessur der Leuphana Universität Lüneburg an

Prof Dr. Erik G. Hansen

Magazin zur Energiewende - IHK StadeDieser Artikel erschien im Magazin „Wirtschaft: Elbe-Weser“ der IHK Stade, mit einem Schwerpunk zur Energiewende – zum Magazin

Kontakt: Informationen zum Innovations-Inkubator
und Centre for Sustainability Management (CSM),
E-Mail: erik.hansen@inkubator.leuphana.de,
Tel.: 04131/6772260