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Verdammt? Der Tod gehört zum Leben dazu!

Volles Audimax beim Ideenwettbewerb zu nachhaltiger Friedhofskultur

Voller Hörsaal mit Tabuthema (Foto: Leuphana/Merle Busch)

Abschlussveranstaltung und Preisverleihung: Der Innovationsverbund „Nachhaltiger Mittelstand“ (INaMi) lud zu einem Abend voller Witz, Melancholie und innovativen Ideen.

Trotz bestem Biergartenwetter platzte der Hörsaal 1 der Leuphana Universität Lüneburg aus allen Nähten. Über 200 Besucherinnen und Besucher folgten gebannt einem Programm rund um ein heikles Thema: Stand doch mit dem Tod ein vermeintliches Tabu im Mittelpunkt.

Bürgermeisterin Regina Baumgarten überbringt Grußworte von Oberbürgermeister Ulrich Mädge (Foto: Leuphana/Merle Busch)

Unter der Schirmherrschaft der Hansestadt Lüneburg hatte der Freundeskreis Hospiz Lüneburg in Kooperation mit der INaMi-Arbeitsgruppe „Zukunftswerkstatt Friedhofskultur“ und der Handwerkskammer einen Ideenwettbewerb initiiert. Dem Aufruf des Wettbewerbs unter dem Motto „Verdammt? Der Tod gehört zum Leben dazu!“ waren dann über vierzig Schülerinnen, Schüler und Studierende gefolgt. Sie alle haben ihre Ideen zur Zukunft der Trauer formuliert und auch künstlerisch gestaltet.

Großer Besucherandrang zur Abschlussveranstaltung

An der Universität fand nun unter reger öffentlicher Anteilnahme eine Abschlussveranstaltung mit Lesung samt Musik statt. „Zwei Ziele verfolgen die Akteure mit dem Wettbewerb“, machte INaMi-Projektkoordinator Dr. Holger Petersen gleich zu Beginn deutlich. „Die Auseinandersetzung mit dem Tod zu fördern und die Innovationskraft der am Bestattungsprozess beteiligten Gewerke, Dienstleister und Ehrenamtlichen zu stärken.

Dr. Holger Petersen, Projektkoordinator Innovationsverbund Nachhaltiger Mittelstand (INaMi) (Foto: Leuphana/Merle Busch)

Wer sich seiner Vergänglichkeit bewusst wird und im Gespräch mit seinen Angehörigen bleibt, kann selbstbestimmter aus der Vielzahl der Bestattungsformen auswählen. Auch die Kunden der Sparkasse Lüneburg waren von diesem Ansatz begeistert, so dass sie bei der letztjährigen Förderrunde der Sparkassenstiftung „Das tut gut“ dem Projekt eine Fördersumme in Höhe von 8.800 Euro bewilligten.

Hartes Thema, berührende Lesung

Wie die Auseinandersetzung mit dem Sterben leicht, zeitgemäß und dennoch hintergründig vonstattengehen kann, zeigten Ute Hannig vom Schauspielhaus Hamburg und Janning Kahnert vom Staatsschauspiel Wiesbaden. Die beiden präsentierten auf unnachahmliche Weise den Bestseller „Das Schicksal ist ein mieser Verräter“ von John Green, dessen Verfilmung zurzeit in den Kinos zu sehen ist.

Lesung mit Ute Hannig und Janning Kahnert (Foto: Leuphana/Merle Busch)

John Green erzählt in seinem Roman ganz klassisch die Geschichte einer ersten großen Liebe – mit der Besonderheit, dass die Hauptfiguren Hazel Grace und Augustus Waters von ihren Krebsleiden gezeichnet sind. Begleitet wurden die Schauspieler von den Hamburger Musikern Henning Stoll und Jakob Neubauer, die eigens nur für den Abend zahlreiche Stücke für ihre Instrumente umgeschrieben hatten.

Henning Stoll und Jakob Neubauer sorgen für den passenden musikalischen Rahmen (Foto: Leuphana/Merle Busch)

Die eigentlichen Stars des Abend waren jedoch die Schülerinnen, Schüler und Studierende, die ihre Ideen für die künftige Auseinandersetzung mit dem Tod, aber auch für die zeitgemäße Gestaltung der Trauerorte präsentierten.

Vielfalt und Einfallsreichtum bringt Jury zum Schwärmen

Sie stellten die prominent besetzte Jury vor eine große Herausforderung, wie Manon von Flotow vom Freundeskreis Hospiz, deutlich machte: „Die Jury war von allen Einsendungen restlos begeistert, denn jedes einzelne Projekt lässt sich auf ganz individuelle Weise auf da Thema ein. Und dennoch mussten wir die besten Einzel- und Gruppenprojekte bestimmen.

Preisverleihung: Nachhaltige Friedhofskultur

Steffen Müller (Sparkasse Lüneburg) mit den Preisträgerinnen und Preisträgern, einem Teil der Jury und den Organisatoren von der Handwerkskammer und vom CSM (Foto: Leuphana/Merle Busch)

Als Teil des Innovations-Inkubators an der Leuphana fördert der Innovationsverbund „Nachhaltiger Mittelstand“ (INaMi) die Wirtschaft der Region. Die „Zukunftswerkstatt Friedhofkultur“ ist in Bezug auf das öffentliche Interesse und wegen der zahlreichen Akteure eines der facettenreichsten Projekte. Bei den nächsten Treffen der INaMi-Arbeitsgruppe „Zukunftswerkstatt Friedhofskultur“ wird es nun darum gehen, die Ideen der Jugendlichen auf ihren Innovationsgehalt zu prüfen und – ein Hauptanliegen der Initiative – auch die Realisierungsmöglichkeiten zu erörtern.

Andreas Schmitt-Sattelberg