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Editorial: Geschäftsmodelle für unternehmerische Nachhaltigkeit

Titel_CSM_Impulse_2_2014

Nachhaltige Entwicklung in Unternehmen wird häufig nicht mehr primär durch technische Innovationen, sondern insbesondere durch Veränderungen von Geschäftsmodellen vorangetrieben. Damit rückt die geamte Wertschöpfungslogik in den Fokus. Diese komplexere Sichtweise birgt neue Potentiale für Nachhaltigkeitsinnovationen, ist aber auch mit neuen Herausforderungen verbunden.

OLYMPUS DIGITAL CAMERAViele innovative Geschäftsmodelle basieren auf einer Veränderung des Angebots vom konventionellen Verkauf zur (Mit-)Nutzung. Aufbauend auf dieser Grundidee werden Firmen gegründet, die zum Beispiel Kinderspielzeug über Online-Portale vermieten. Verliert ein Kind das Interesse an einem Spielzeug, wird der Gegenstand zurückgesandt und ein anderer gemietet. So können mehrere Kinder das gleiche Spielzeug über sein Produktleben nutzen, womit im Vergleich zum konventionellen Verkauf von Spielzeugen weniger hergestellt, mehr repariert und Ressourcen geschont werden. Dabei verändert der Wandel von der Herstellung zum Vermieten zentrale Elemente des Unternehmensverständnisses wie das Wertangebot, die Leistungsprozesse, das Netzwerk an wertschaffenden Stakeholdern oder das Finanzierungsmodell.

Sharing economy Zeichen der Tertiarisieriung der Wirtschaft

Während diese sogenannte „Sharing economy“ auf den ersten Blick wie die Realisierung einer auf Tausch und Teilen basierenden alternativen Kommunenutopie erscheinen mag, handelt es sich aus ökonomischer Sicht vielmehr um den Ausdruck einer fortschreitenden Tertiarisierung der Wirtschaft, also der Substitution von industrieller Produktion durch Dienstleistungen. Auf Unternehmensebene äußert sich die Tertiarisierung in Dienstleistungsinnovationen, die den Verkauf eines materiellen Gutes (z.B. Spielzeug) durch Dienstleistungen (z.B. Online-Plattform, Mietverträge und Logistik) ersetzen und mit weniger Materialeinsatz den gleichen oder sogar einen größeren Nutzen schaffen. Für die Kunden ergeben sich idealerweise Vorteile, wie etwa Verfügbarkeit ohne Investitionskosten, weniger Platzbedarf (z.B. weil kein ungenutztes Spielzeug mehr im Haus verstaubt) oder die Verlagerung der Instandhaltung zum Dienstleister.

Substantieller Bedarf an Managementansätzen für Geschäftsmodellinnovationen

Für Unternehmen, die Nachhaltigkeitsinnovationen entwickeln und damit wirtschaftlich erfolgreich sein wollen, ist ein klares Verständnis des eigenen Geschäftsmodells essenziell. Da viele aber nur ein implizites, diffuses Verständnis von ihrem Geschäftsmodell haben, besteht Bedarf nach Managementansätzen für Geschäftsmodellinnovationen, die eine nachhaltige Entwicklung wirksam unterstützen. Bisherige Geschäftsmodelle müssen strukturiert analysiert und das Zusammenspiel von Angeboten und Kundengruppen, die Art der Herstellung, Kommunikations- und Logistikkanäle sowie die Umsatz-und Finanzlogik explizit gemacht und die Auswirkungen von Nachhaltigkeitsinnovationen durchgespielt werden.

Das CSM erforscht in zahlreichen Projekte Geschäftsmodelle & Nachhaltigkeit

Das CSM befasst sich in Forschung, Projekten und der Lehre mit Geschäftsmodellen und Nachhaltigkeit auf konzeptioneller Ebene (siehe den Artikel Geschäftsmodellinnovationen für unternehmerische Nachhaltigkeit), führt empirische Untersuchungen durch (vgl. Text „Nachhaltigkeitsorientierte Geschäftsmodellinnovation im internationalen Vergleich“) und bearbeitet anwendungsbezogene Fallstudien (vgl. Entwicklung von Geschäftsmodellen zur Verwertung von Elektro-Altgeräten). Wir freuen uns mit Ihnen in den beidseitig innovationsfördernden Austausch zu Nachhaltigkeit durch Geschäftsmodellentwicklung zu treten. Ich wünsche Ihnen spannende Einsichten bei der Lektüre unserer aktuellen Ausgabe „CSM-Impulse“ und freue mich auf Ihre Kommentare und Anregungen!

Prof. Dr. Stefan Schaltegger
Leiter des Centre for Sustainability Management (CSM)