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„Green Skills“ – Interview mit Enrico Bauer

„Green Skills“, sind zurzeit in aller Munde. Was genau verbirgt sich eigentlich hinter dieser vermeintlichen Zauberformel? Was unterscheidet diese „Green Skills“ von „Soft Skills“ und wo kann man sie erwerben?

Ein Blick in die Stellenanzeigen zeigt, dass sie immer öfter  gesucht werden – die Expert/innen des Nachhaltigkeitsmanagements, die mit kühlem Sachverstand und hoher Nachhaltigkeitsexpertise beherzt zur Sache gehen.

Hier erfahren wir, wie die Nachhaltigkeits-Expert/innen vorgehen, ob man ihnen den Roten Teppich ausrollt und auf Stellen mit Nachhaltigkeitsbezug alles wie von selbst läuft, ob sie gegen Widerstände und Beharrungskräfte kämpfen müssen, um Neuerungen und Änderungen voranzubringen, und mit welchen Strategien sie zum Erfolg gelangt sind.

In dieser Reihe präsentieren wir Ihnen Persönlichkeiten, die es geschafft haben: Reflektierte Entscheider, tatkräftige Macher und hartnäckige Optimisten – Change Agents for Corporate Sustainability!

Enrico Bauer ist als Champion für Sustainability innerhalb und außerhalb des Unternehmens UBS im Einsatz. Nach langjähriger Selbständigkeit ist er über eine inspirierende Sabbatical-Zeit, verbunden mit dem Studium des MBA Sustainability Management, in eine verantwortungsvolle Position bei UBS gelangt. Seit sieben Jahren baut er hier nun die Aktivitäten zum Nachhaltigkeitsmanagement immer weiter aus, hierzu gehören auch die Gründung und Linienverantwortung des Competence Center Environmental & Social Policy im Wealth Management.

Das Interview:

Herr Bauer, Sie haben während Ihres Sabbaticals nach langjähriger Selbständigkeit entschieden, das Studium des MBA Sustainability Management aufzunehmen. Was hat Sie dazu bewogen, noch einmal zu studieren, und warum ein MBA im Nachhaltigkeitsmanagement?

Das MBA-Studium am CSM bot mir eine ausgezeichnete Gelegenheit, die 20-jährige Karriere als IT-Ingenieur und Projektberater mittels fundierter Grundkenntnisse in Betriebswirtschaft und strategischem Nachhaltigkeitsmanagement komplett in eine neue Richtung zu lenken. Mein persönliches Ziel war und bleibt ganz klar, meiner professionellen Arbeit einen höheren Sinn zu geben durch wirtschaftlich tragfähige Lösungsansätze für unsere immer komplexer werdenden Umwelt- und sozialen Probleme.

Als Selbständiger hatten Sie verschiedene Unternehmen. In welcher Branche waren Sie damals aktiv, und wie sah Ihr Arbeitsalltag als Selbständiger aus? Unterscheidet sich dieser stark von Ihrem heutigen Tagesablauf?

Hauptsächlich war ich als Unternehmensberater für globale Finanzinstitute im Projektgeschäft und in der Personalvermittlung tätig. Zudem investierte ich in diverse Startup-Firmen, u.a. im Medizinbereich, in der Ausbildung und im Coaching. Mein Arbeitsalltag war sehr intensiv und geprägt von vielen Kontakten und Opportunitäten, die es laufend zu prüfen galt. Die hohe Arbeitsintensität konnte ich in freier Wahl immer wieder durch gezielte Auszeiten kompensieren, was ein großes Freiheitsgefühl vermittelte. Dies musste jedoch durch disziplinierten Arbeitseinsatz „verdient“ werden.

Mittlerweile sind Sie als Angestellter in einem Großunternehmen (UBS) tätig. Wie ist es, als ehemaliger Unternehmer nun plötzlich wieder im Angestelltenverhältnis zu stehen? Können Sie Ihren Unternehmergeist hier mit einbringen?

Diese Frage wird mir oft gestellt. In der Tat fiel mir der Schritt zurück in eine reguläre Anstellung wesentlich schwerer als der Schritt in die unternehmerische Freiheit. Ich tat ihn aber bewusst und ohne Reue, da ich bei UBS Chancen erhielt, Neues zu lernen und eine andere Art der Verantwortung zu tragen – im Einklang mit den Bedürfnissen meiner Familie. Als ehemaliger Unternehmer fällt es mir auch heute nicht schwer, in einem Großbetrieb wie UBS manchmal gegen den Mainstream zu schwimmen und Dinge über den eigenen Zuständigkeitsbereich hinaus zu bewegen – was vor allem im Nachhaltigkeitsbereich notwendig und durchaus akzeptiert ist, sofern die Leistungen im Kernkompetenzbereich nicht darunter leiden.

War Ihr jetziger Arbeitsbereich von Anfang an auf Nachhaltigkeit ausgerichtet, und welche Gestaltungsspielräume hatten Sie in dieser Hinsicht?

Jein: Mit der Gründung der „Policy Framework & Competence Centers“- Einheit unter meiner Leitung innerhalb von Wealth Management wurde vor allem angestrebt, die Umsetzung von regulatorischen Auflagen entlang unserer internen Weisungen global einheitlich und effektiv sicherzustellen. Im Vordergrund steht dabei das Management der zentralen operationellen Risiken unserer Bank. Nachhaltigkeitsmanagement im Sinne von Business Opportunitiäten ist zwar diesbezüglich auch ein Ziel, das wir verfolgen, aber relativ untergeordnet innerhalb meiner Einheit. Dennoch konnte ich mit der Etablierung des Competence Centers „Environmental & Social Policy“ erreichen, dass die Risiken wie auch Opportunitäten gleichermaßen abgedeckt sind. Hierbei ist die enge Zusammenarbeit mit anderen Funktionsbereichen und zunehmend mit externen Stakeholdern essentiell.

Wie haben Sie es geschafft, Aspekte des Nachhaltigkeitsmanagements stärker in Ihre Tätigkeit zu integrieren? Welche Fähigkeiten stehen hierbei aus Ihrer Sicht im Vordergrund?

Wie bereits erwähnt, sollte man im „angestammten“ Kompetenzbereich (in meinem Falle Compliance und derzeit operationelles Risk Management) eine gute interne Reputation durch einen soliden Leistungsausweis aufbauen. Dann geht es darum, sich als „Champion“ für Nachhaltigkeit bei passender Gelegenheit immer wieder konstruktiv und kreativ einzubringen. Beides erfordert eine gehörige Portion Geduld, Mehrarbeit, Networking, Fach- und Organisationswissen und vor allem Sensibilität für die entscheidende Momente. Also alles Eigenschaften, die auch von einem Unternehmer gefordert sind. Am wenigsten bringen zusätzliche akademische Titel, auch wenn mir der MBA Sustainability Management sehr geholfen hat, in Sachen Nachhaltigkeit auf die Sprünge zu kommen.

Es klingt ganz so, als wäre es die Kombination aus Fachwissen und Kompetenz, Netzwerkaufbau und –pflege und strategisch ausgerichtetem langfristigen Engagement, die zum Erfolg führt.  Beim Stichwort Kompetenz kommen wir direkt zu den magischen „Green Skills“. Was verstehen Sie persönlich darunter?

Ein weiteres Buzzword… lassen Sie mich raten: Alle Fähigkeiten, die ein erfolgreicher Nachhaltigkeits-Manger benötigt.

Können Sie uns eine passende Anekdote aus ihrer Karriere als Nachhaltigkeits-Manager erzählen?

Gerne. Dazu kommt mir in den Sinn, dass die formelle Gründung des zuvor erwähnten Competence Centers und die passende personelle Besetzung keinesfalls „von oben“ angeordnet wurden. Vielmehr ergab sich nach mehreren Vorgesprächen mit internen Stakeholdern einmalig die Situation, dass ich während des Sabbaticals meines Vorgesetzten, in der Funktion als sein Linien-Stellvertreter, die ausgeliehenen Kompetenzen durchaus aktiv nutzte, um einen „Firmenstreich“ zu realisieren und die offizielle Verankerung im Rahmen der globalen ISO 14001 Governance zu erwirken. Das zeigt, dass nachhaltiges unternehmerisches Agieren eine große Portion Vertrauen durch die oberste Unternehmensführung voraussetzt und gewisse persönliche Risiken übernommen werden müssen. In diesem Falle war es eine erfolgreiche Geschichte.

Und als Abschlussfrage: Sehen Sie sich eher als reflektierten Entscheider, als tatkräftigen Macher oder als hartnäckigen Optimisten?

Ich hoffe als ausgewogene Kombination dieser Rollen.

Herr Bauer, herzlichen Dank für das Interview!


Interview: Katrin Heeren

Wer sich weiter zu diesem Themengebiet mit uns und anderen Interessierten austauschen möchte, ist herzlich in unsere Xing-Gruppe „MBA Sustainability Management, Leuphana Universität Lüneburg“ eingeladen.

Archiv: 1. Teil der Interview-Reihe

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