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Goldrausch – Zukunftsschmiede Nachhaltiger Schmuck gestartet

Goldringe - fairer Schmuck

Bild: www.thomas-becker-schmuck.de

Seltsam. Die ganze Welt jagt zurzeit nach Gold, doch die Lebensbedingungen derjenigen, die das begehrte Edelmetall ans Licht der Welt bringen, werden von der Öffentlichkeit geflissentlich ignoriert. Zwar gibt es seit kurzem in Großbritannien ein Label für eco-fair-Gold, doch für Deutschland steht diese Entwicklung noch aus.

Der Hamburger Goldschmied Thomas Becker ist einer der Pioniere, wenn es um öko-faires Gold in Deutschland geht. Das Team des Innovationsverbundes Nachhaltiger Mittelstand (INaMi) und die Handwerksammer Lüneburg-Braunschweig-Stade wissen es deshalb sehr zu schätzen, dass er als dauerhafter Begleiter für den Workshop „Zukunftsschmiede Nachhaltiger Schmuck“ gewonnen werden konnte. Ende Januar war es dann soweit: Zusammen mit fünfzehn Goldschmieden aus der Konvergenzregion Lüneburg fand die Auftaktveranstaltung statt. Und es entstand schnell eine Arbeitsgruppe, die in den kommenden Monaten alle relevanten Themen rund um nachhaltigen Schmuck bearbeiten wird. Angefangen bei Bezugsquellen für öko-faires Gold und Edelsteine, über Marketing und Kundenbeziehungen bis hin zur Herstellung der traditionellen Etui-Verpackungen für Schmuck und Trauringe.

Das Handwerk, so zeigte sich schnell während der Auftaktveranstaltung, ist schon lange in Sachen Nachhaltigkeit engagiert, ohne es so recht nach außen zu kommunizieren. Denn gerade diejenigen unter den Goldschmieden, die Maßanfertigungen und Einzelstücke anbieten, sichern aufgrund der Individualität eine Langlebigkeit des Produktes und sorgen für die Reparaturfähigkeit. Die Wertschätzung, die die Kunden „ihrem“ Goldschmied entgegenbringen, wurde von den Teilnehmern auch als großes Potential zur Sensibilisierung für öko-faires Gold identifiziert.

Der Auftaktworkshop hat die Teilnehmer, so das allgemeine Fazit, für das Thema infiziert. Thomas Becker führte durch seine Ausstellung „Ethical Gold“ und wies auf die zahlreichen ökologischen und sozialen Missstände beim Goldabbau hin. Dass die Begleiterscheinungen durch den massiven Einsatz von Zyanid nicht auf Entwicklungsländer beschränkt sind, macht das Beispiel Rumänien deutlich, wo im Jahre 2000 ein Damm des Rückhaltesees in Baia Mare brach und 100 000 Kubikmeter belastetet Abwasser eine Reise durch Osteuropa antraten. Mit verheerenden Folgen.

Reinhard Bochem von der Edelmetall-Scheideanstalt Schiefer & Co. (Hamburg) sprach in seinem Impulsvortrag von den Schwierigkeiten bei der Beschaffung von öko-fairem Gold, wobei er auch Lösungsansätze aufzeigte. Denn für den einzelnen Goldschmied ist es momentan gar nicht so einfach, beispielsweise von Oro verde, einem Lieferanten für sauber produziertes Gold, beliefert zu werden.

Wenn die Teilnehmer der Arbeitsgruppe Anfang März erneut zusammen kommen, wird eine weitere Pionierin zugegen sein. Jutta Werling, Inhaberin von Brazil Gems, wird über ihre Erfahrungen bei der Gewinnung von Edelsteinen sprechen und Bezugsmöglichkeiten für öko-faire Edelsteine aufzeigen. Im Anschluss daran werden praktische Lösungsansätze für Schmuck-Etuis erarbeitet. Die traditionellen Anbieter für Schmuckverpackungen tun sich momentan noch recht schwer mit der Entwicklung öko-fairer Etuis. Hier kann der Impuls aus dem Gewerk nur gut tun und das INaMi-Team kann Potentiale der Leuphana nutzen, um bei der Entwicklung von ressourcenschonendem Schaum aktiv zu werden. INaMi bearbeitet in seinem nächsten Workshop im April 2013 das Thema „Gemeinwohlökonomie“. Ziel des Verbundes im Innovations-Inkubator Lüneburg ist es, das innovative Potenzial regionaler Mittelständler aus Handwerk, Handel und Industrie mit dem Wissen von Fachleuten aus der Praxis und aus der Forschung zu unterstützen.

Andreas Schmitt-Sattelberg