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Nachhaltigkeit im Versandhandel – Erwartungen und Potentiale

Memo Box

Bild: memo AG

„Wir verfolgen in unserem Logistik-Zentrum bewusst das Prinzip der voll-chaotischen Ordnung“, erklärte Stefan Deerberg den Teilnehmern des Wissensforums „Nachhaltiger Versandhandel“ bei der Führung durch das Logistikzentrum der Deerberg Versand GmbH in Lüneburg. So werden Retouren nicht etwa sortenrein zurücksortiert, sondern im nächstgelegenen freien Regalplatz untergebracht. Das EDV-System erkennt den Ort und führt die Lagermitarbeiter bei der nächsten Bestellung sicher zu dem Produkt.

Zahlreiche Versandhändler aus Niedersachsen waren der Einladung des Innovationsverbundes Nachhaltiger Mittelstand (INaMi) und der Deerberg Versand GmbH am 6. Februar 2013 gefolgt, um sich über Perspektiven des Nachhaltigkeitsmanagements im Versandhandel auszutauschen.

Lothar Hartmann, Nachhaltigkeitsmanager bei der memo AG, machte in seinem Impulsvortrag deutlich, dass im Versandhandel Ressourceneinsparung immer ein Kostenfaktor ist. So geht die memo AG mit der grünen memo-Box eigene, nachhaltige Wege im Versand. Der Kunde kann die praktische Versandkiste unmittelbar nach Erhalt der Ware dem Paketdienstleister zurückgeben, der sie dann an memo zurückschickt. Manchmal ist Nachhaltigkeit allerdings auch mit außerordentlichen Anstrengungen verbunden: So musste sich die memo AG selbst auf die Suche nach Herstellern für mineralölfreie Farben machen, die die Druckerei dann für die Jahreskataloge des Büroausstatters einkaufen konnte. Zwar binde dies Personal und Zeit, passe jedoch, so Hartmann weiter, sehr gut zum Image des Unternehmens und orientiere sich an den Erwartungen der Kunden. Und zahle sich dann so wieder aus, auf mittelfristige Sicht.

Der Versandhandel als personalintensive Wirtschaftsform lebt vom Know-how und der Motivation der Mitarbeiter. So verwundert es kaum, dass sich sowohl der Deerberg Versand als  auch die memo AG für seine Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter stark machen. So bieten beide Ferienbetreuung für Kinder an, beide sichern die Qualität ihrer Ausbildung oder legen großen Wert auf möglichst gesundheitsschonende Arbeitsweise im Logistikzentrum.

In der anschließenden anregenden Diskussion konnten wesentliche Problemfelder beim Nachhaltigkeitsmanagement im Versandhandel identifiziert werden. Da ist zum einen die Auswahl des Versanddienstleisters, der nicht nur eine Art Visitenkarte zum Kunden darstellt, sondern auch einen wesentlichen Einfluss auf die Ökobilanz des Versandprozesses hat. Zum anderen muss sich jeder Versandhändler mit Fragen der Verpackung auseinandersetzen, da die Handlungsabläufe in der Logistik effizient abzuwickeln sein müssen, ein Zuviel an Verpackung jedoch aus ökologischen und ökonomischen Gründen vermieden werden muss. Je nach Größe des Unternehmens bietet sich ein effektives Managementsystem an, um von der Produktauswahl bis zum Gebäudemanagement mit Nachhaltigkeit punkten zu können. Hier sind die wissenschaftlichen Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter des INaMi gefordert, mit den Versandhändlern in der Konvergenzregion passende Modelle zu entwickeln. Der spannende und wichtige Prozess wird also, so der allgemeine Wunsch der Teilnehmer, weiter gehen.

INaMi bearbeitet in seinem nächsten Workshop im April 2013 das Thema „Gemeinwohlökonomie“. Ziel des Verbundes im Innovations-Inkubator Lüneburg ist es, das innovative Potenzial regionaler Mittelständler aus Handwerk, Handel und Industrie mit dem Wissen von Fachleuten aus der Praxis und aus der Forschung zu unterstützen.