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Interview: Nachhaltigkeitsmanagement mit System

Nachhaltigkeitsmanagement mit System: So lautet der Titel einer Arbeitsgruppe des Innovationsverbundes Nachhaltiger Mittelstand (INaMi) am CSM, in der fünf Unternehmen der Region die Vor- und Nachteile verschiedener Managementsysteme prüfen und an einer systematischen Erfassung ihrer Nachhaltigkeitsleistung arbeiten. Seit Mitte 2013 treffen sich die Unternehmen im INaMi, betreut werden sie dabei von Ursula Weber und Matthew Johnson vom CSM. Zeit für ein Zwischenfazit, um das wir die beiden Wissenschaftler gebeten haben.

Wie habe ich mir die Arbeitsgruppe genau vorzustellen?

Ursula Weber: Die monatlichen Treffen werden von uns inhaltlich vorbereitet und strukturiert. Die Auswahl der Themen entsteht natürlich im Austausch mit den Akteuren der Arbeitsgruppe, schließlich wollen wir passgenaue Formate schaffen, mit denen die Praktiker arbeiten können.

Matthew Johnson: Zu den Treffen kommen die Beauftragten für Umwelt oder Nachhaltigkeit, die an die jeweiligen Geschäftsführungen von zurzeit fünf Unternehmen aus unterschiedlichsten Branchen direkt berichten. So entstand mit der Zeit eine vertrauensvolle Basis, die eine offene Atmosphäre garantiert.

Ursula Weber: Ich würde fast so weit gehen zu sagen, dass dieser Austausch für die Praktiker das Entscheidende ist. Auch wenn die Bandbreite der Unternehmen sehr groß ist, sind die Probleme im Bereich der Nachhaltigkeit doch oft ganz ähnlich. Deshalb überfrachten wir die Treffen nicht mit inhaltlichem Input, sondern lassen Zeit für den Austausch.

Nachhaltigkeitsmanagement mit System – heißt das, hier werden die Unternehmen hin zu einer Validierung geführt?

Ursula Weber: Nein. Das steht nicht auf der Tagesordnung. Zunächst einmal ist Nachhaltigkeitsmanagement die Hauptkompetenz des CSM, und im Rahmen des Unternehmensnetzwerks Nachhaltiger Mittelstand kamen von den Praktikern immer wieder Fragen nach einer systematischen Auseinandersetzung mit bspw. den Umweltleistungen auf. Deshalb haben wir diese Arbeitsgruppe ins Leben gerufen.

Matthew Johnson: Zumal sich die verschiedenen Managementsysteme meist an große Unternehmen richten und für kleinere und mittlere Unternehmen (KMU) nur schwer umsetzbar sind. Im Zuge meiner Forschungen bin ich auf zahlreiche Hindernisse für KMU gestoßen: Nun, in der Zusammenarbeit mit den Unternehmen, sind wir auf zahleiche Lösungen gestoßen.

Ursula Weber: Uns ging es erst einmal darum, mit den Unternehmen die ganze Bandbreite des Nachhaltigkeitsmanagements sichtbar zu machen. Die Arbeitsgruppe trifft sich bspw. nicht nur an der Universität, sondern bei den einzelnen Unternehmen. So lernen wir die internen Prozesse besser verstehen und die Praktiker können vor Ort konkrete Lösungen erarbeiten. Die dann, das hat sich eben vielfach gezeigt, für alle Unternehmen relevant sind.

Wie ist die Rolle des Innovationsverbundes am ehesten zu beschreiben?

Ursula Weber: Wir sind ja ein Wissenstransferprojekt. Das heißt, Wissen fließt in beide Richtungen. Wir lernen viel aus den Gesprächen mit den Praxispartnern und lassen das in die Forschung einfließen. Andererseits können wir, auch indem wir mit externen Referenten zusammenarbeiten, Ergebnisse aus der Forschung an die Unternehmen weitergeben.

Matthew Johnson: Die Universität bietet einen Ort, an dem sich Unternehmen austauschen und inspirieren lassen.

Ursula Weber: So haben die Praxispartner der Arbeitsgruppe eine Mitarbeiterbefragung zur Umweltleistung im Unternehmen durchgeführt. Bei der Auswertung haben Studierende unterstützt. Viele Impulse aus der Befragung wurden aufgenommen und die Unternehmen haben teilweise Kompetenzteams quer aus allen Abteilungen zusammengestellt.

Der Innovationsverbund „Nachhaltiger Mittelstand“ ist Teil des EU-Großprojekts Innovations-Inkubator an der Leuphana und fördert die Wirtschaft der Region.

Was verändern die Unternehmen denn jetzt konkret? Könnt Ihr Beispiele nennen?

Matthew Johnson: Sie messen ihre Umweltleistung systematisch in Jahreszyklen, u.a. ihren Strom- und Wärmeverbrauch und leiten daraus Maßnahmen ab, beispielsweise das Austauschen von Leuchtmitteln. Sie trennen ihren Abfall und sparen Kosten, wenn sie weniger teure Abfallsorten entsorgen. Sie führen Lärmmessungen durch und halten die gesetzlichen Anforderungen ein. Oder sie überdenken ihren Büromittel-Einkauf und bestellen umweltfreundlichere Produkte. Dies führt zu einer kontinuierlichen Verbesserung der Umweltleistung im Unternehmen.

Ursula Weber: Es hat sich wieder gezeigt, dass die Einbindung der Mitarbeitenden enorm wichtig ist, um gesetzte Umweltziele für das Unternehmen zu erreichen. Das heißt, sie informieren die Kollegen über die Umweltmanagement-Maßnahmen und fragen nach, welche Ideen noch umgesetzt werden könnten. Oft sind die Mitarbeitenden die Experten und können Hinweise geben, was an ihrem Arbeitsplatz verändert werden könnte, um die Umwelt zu schonen und Kosten zu sparen. In einem Unternehmen wurde auch eine so neue Idee wie die Bereitstellung von Elektrofahrrädern als Dienstfahrzeug umgesetzt.

Und wie wird es nun weiter gehen?

Ursula Weber: Nun, einige der Akteure sind so weit, dass sie tatsächlich in Kürze einen Validierungsprozess durchlaufen werden. Das Tolle: Die Unternehmen haben die Vorbereitungen praktisch aus eigener Kraft angestoßen. Sie werden dann bei der EMAS-Registrierungsstelle der IHK, die auch unser Kooperationspartner ist, registriert.

Matthew Johnson: Wir haben jede Menge gelernt, wie die Managementsysteme attraktiver und vor allem praktikabler für KMU zu gestalten sind.

Ursula Weber: Und wir gehen gemeinsam gleich den nächsten Schritt an: Die nächsten drei Treffen der Arbeitsgruppe beschäftigen sich mit Fragen rund um die Kommunikation von Nachhaltigkeitsthemen. Auch weitere Unternehmen sind hier sehr willkommen.

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Das nächste Treffen findet am 22. September 2014 um 14 Uhr statt. Informationen dazu erhalten Sie bei Ursula Weber (E-Mail).