aus dem CSM, Forschung und Projekte am CSM

Forschungsmeldung Nachhaltigkeitsmanagement: Unternehmen ist Akzeptanz wichtiger als Profit

Ge­sell­schaft­li­che Ak­zep­tanz ist für die Nach­hal­tig­keits­ak­ti­vitäten von großen Un­ter­neh­men wich­ti­ger als die Aus­sicht auf mehr Ge­winn. Auch die Mit­ar­bei­ter­mo­ti­va­ti­on spielt beim Nach­hal­tig­keits­ma­nage­ment eine größere Rol­le als der Pro­fit.

Hoerisch, JacobDies ist eine Er­geb­nis ei­ner in­ter­na­tio­na­len Stu­die der Pro­fes­so­ren Ste­fan Schal­teg­ger (Leu­pha­na Uni­ver­sität Lüne­burg, linke Foto) und Ja­cob Hörisch (Ala­nus Hoch­schu­le, 2. v.l.).

Expertenpanel: Nachhaltigkeitsmanager in über 400 Unternehmen befragt

Be­fragt wur­den dazu Nach­hal­tig­keits­ma­na­ger der um­satzstärks­ten Un­ter­neh­men in zehn aus­gewähl­ten In­dus­tri­eländern in Eu­ro­pa, Nord­ame­ri­ka und Asi­en. Ins­ge­samt 432 Un­ter­neh­men be­tei­lig­ten sich an der Un­ter­su­chung.

„Die Stu­die räumt mit der gängi­gen Mei­nung auf, dass Un­ter­neh­men sich nur dann für Um­welt und So­zia­les en­ga­gie­ren, wenn sich dies für sie rech­net. Da­ge­gen zeigt un­se­re Stu­die erst­mals: Haupt­an­triebs­kraft beim The­ma Nach­hal­tig­keit ist die Le­gi­ti­mitätsori­en­tie­rung“,

sagt Schal­teg­ger, Lei­ter des Cen­tres for Sustaina­bi­li­ty Ma­nage­ment (CSM) an der Leu­pha­na Universität. Den meis­ten Un­ter­neh­men gehe es vor al­lem um ge­sell­schaft­li­che An­er­ken­nung. Außer­dem wird En­ga­ge­ment für Nach­hal­tig­keit als ein Si­gnal nach in­nen ge­se­hen. Dafür spre­che die große Be­deu­tung, die der Ver­bes­se­rung der Mit­ar­bei­ter­mo­ti­va­ti­on durch kon­se­quen­tes Nach­hal­tig­keits­ma­nage­ment bei­ge­mes­sen wer­de, so Schal­teg­ger.

Unternehmersiche Nachhaltigkeit: Starke Legitimationsorientierung

Gründe für die Le­gi­ti­mitätsori­en­tie­rung der Un­ter­neh­men se­hen die Au­to­ren un­ter an­de­rem im Ein­fluss ex­ter­ner Sta­ke­hol­der. Von Me­di­en oder nicht­staat­li­chen Or­ga­ni­sa­tio­nen, die stark in der Öffent­lich­keit ver­an­kert sind, wird das The­ma Nach­hal­tig­keit ak­ti­ver un­terstützt als zum Bei­spiel von Ban­ken, Ra­ting­agen­tu­ren oder An­teils­eig­nern. Dies spie­gelt sich auch in der or­ga­ni­sa­to­ri­schen und per­so­nel­len Ver­ant­wor­tung. PR-, Kom­mu­ni­ka­ti­ons- und Rechts­ab­tei­lun­gen ha­ben we­sent­lich häufi­ger mit Fra­gen des Nach­hal­tig­keits­ma­nage­ments zu tun als Fi­nan­zie­rung, Rech­nungs­we­sen oder Con­trol­ling.

Blick auf öffentliche Wirkung

Auch bei der Um­set­zung von Maßnah­men agiert die Mehr­heit der Un­ter­neh­men vor al­lem mit Blick auf ihre öffent­li­che Wahr­neh­mung. Zu den am häufigs­ten ver­wen­de­ten In­stru­men­ten gehören Nach­hal­tig­keits- und So­zi­al­be­rich­te, so­zia­les oder kul­tu­rel­les Spon­so­ring, Cor­po­ra­te Ci­ti­zenship und Sta­ke­hol­der­di­alo­ge. Deut­lich da­hin­ter ran­gie­ren In­stru­men­te wie Öko-Ef­fi­zi­enz-Ana­ly­se, Ma­te­ri­al­fluss- oder Um­welt­kos­ten­rech­nung, die hel­fen könn­ten, dass Nach­hal­tig­keits­ak­ti­vitäten zum Ge­winn bei­tra­gen.

Kaum Erfolgskontrolle fürs Nachhaltigkeitsmanagement

Al­ler­dings: Ver­fah­ren zur Mes­sung des Er­folgs von Nach­hal­tig­keits­ma­nage­ment spie­len in den Un­ter­neh­men durch­weg eine un­ter­ge­ord­ne­te Rol­le. Am häufigs­ten wer­den die Kos­ten der Maßnah­men ge­mes­sen, ge­folgt von den  Fort­schrit­ten bei der Mit­ar­bei­ter­mo­ti­va­ti­on und der Un­ter­neh­mens­re­pu­ta­ti­on. Zu­sam­men­fas­send wer­den Nach­hal­tig­keits­maßnah­men mit ei­nem vor­ge­ge­be­nen Bud­get, des­sen Kos­ten ge­mes­sen wer­den, vor al­lem getätigt, um die ge­sell­schaft­li­che Ak­zep­tanz des Un­ter­neh­mens zu si­chern. Das Vor­ur­teil, dass Un­ter­neh­men sich nur dann für Um­welt und So­zia­les en­ga­gie­ren, wenn sich dies für sie rech­net, ist em­pi­risch nicht zu hal­ten. Ob es zum Ge­winn beiträgt oder nicht, weiß kaum ein Un­ter­neh­men.

Publikation:

Schaltegger, Stefan; Hörisch, Jacob (2015). „In Search of the Dominant Rationale in Sustainability Management: Legitimacy- or Profit-Seeking?”, in: Journal of Business Ethics (DOI: 10.1007/210551-015-2854-3).

Kontakt:

Prof. Dr. Stefan Schaltegger
Centre for Sustainability Management / Leuphana Universität
Scharnhorststr. 1
21335 Lüneburg
Fon: +49.4131.677-2180
schaltegger@uni.leuphana.de

Hinweis: Der Beitrag basiert auf einer Veröffentlichung der Leuphana Universität, und wurde im Nachhaltigkeitsmanagement-Blog bereits auf Englichers publiziert.