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Das passt zusammen: Nachhaltigkeitsmanager bei Stecksystem-Unternehmen Werkhaus

Das nördlichen Niedersachsen ist die Heimat eines innovativen, mittelständischen Familienunternehmens das seit der Gründung bereits viele Ideen unternehmerischer Nachhaltigkeit realisiert hat. Ein wichtiger Grund für die angehenden MBA-Absolventen und Nachhaltigkeitsmanagerinnen und -manager der Stecksystem-Firma Werkhaus einmal ausführlicher über die Schulter zu blicken.

In der Woche vom 30. November bis zum 04. Dezember waren zwölf Studierende des MBA Sustainability Management im Rahmen ihres Abschlussworkshops bei dem Unternehmen Werkhaus zu Gast. Dieser Workshop bildet den fachlichen Abschluss Ihres Studiengangs im Nachhaltigkeitsmanagement bevor sie die Masterarbeit beginnen. Sie können also erstmals ihr fachliches Know-how auch ganz praktisch im unternehmerischen Alltag anwenden. Direkt vor Ort erarbeiteten die Studierenden neue Ansätze und Konzepte für den weiteren Ausbau der unternehmerischen Nachhaltigkeit und die Erweiterung der Produktpalette des Unternehmens.

Ziel: Konzepte entwickeln und praxisnah anwenden

Die Studierenden des MBA entwickelten innerhalb der Workshopwoche verschiedene Konzepte, um Werkhaus bei einer Steigerung der Wettbewerbsfähigkeit durch eine nachhaltige Unternehmensausrichtung zu unterstützen. Die Arbeitsschwerpunkte umfassten Themen wie neue Vermarktungskonzepte für Container-Produkte, ein nachhaltiger Umgang mit Zweite-Wahl-Artikeln, Nachhaltigkeitskommunikation und Social Media sowie kompromisslose Nachhaltigkeit im Outdoor-Produkt-Bereich.

Begleitet wurden die MBA-Studierenden während ihres Praxisworkshops von Studiengangsleiter Professor Stefan Schaltegger und Studiengangskoordinatorin Dorli Harms. Die Beiden Wissenschaftler vom Centre for Sustainability Management (CSM) unterstützen und betreuen seit vielen Jahren diese sehr praxisnahe Ausbildungsformat im MBA-Studium an der Leuphana Universität. Aus der Sicht des CSM-Betreuungsteams war der Workshop ein voller Erfolg, da in vielen Fällen die Ideen der Studierenden zu neuen Projekten und Impulsen beim Gastgeber-Unternehmen führen konnten. Auch Werkhaus-Geschäftsführerin Eva Danneberg resümiert zufrieden:

„Das Engagement und die Ergebnisse der Studierenden waren enorm, wenn man bedenkt, dass die MBAler lediglich eine Woche bei uns im Unternehmen waren.“

Der Unternehmensworkshop schloss zum Ende der Praxiswoche mit den Präsentationen der Studierendengruppen, die ihre entwickelten Ergebnisse einer unternehmensintern und -extern besetzten, vierköpfigen Jury, Werkhaus-Mitarbeitern sowie den Kommilitonen und Kommilitoninnen vorstellten. Die vielen innovativen Lösungsansätze der angehenden Nachhaltigkeitsmanager zeigten das Potenzial des unternehmerischen Nachhaltigkeitsmanagement für die unternehmerische Praxis.

Das Familienunternehmen Werkhaus wurde im Jahr 1992 von Eva und Holger Danneberg gründet, um das von Holger Danneberg entwickelte Werkhaus-Stecksystem zu vermarkten. Das Stecksystem ermöglicht eine große Vielfalt von Einsatzmöglichkeiten und umfasst ein umfangreiches Sortiment bestehend aus Ablagesysteme fürs Büro sowie Wohnaccessoires, Geschenkartikel oder Spielzeug. Werkhaus hat Anfang 2015 den ersten Nachhaltigkeitsbericht des Unternehmens verfasst und bilanziert darin den Anspruch an eine ökologische Produktion, die Umweltfreundlichkeit der Produkte und das bestehende soziale Engagement.

Hintergrund: MBA-Unternehmensworkshop

Ein wichtiger Höhepunkt des Studienganges „MBA Sustainability Management“ ist der jährliche Abschlussworkshop. Für eine Woche zeigen die Studierenden eines Jahrgangs, was sie können und beweisen ihr Nachhaltigkeitsmanagement-Wissen in der Praxis. In einem Unternehmen oder einer Organisation in Deutschland wird eine Woche lang intensiv gearbeitet: Dabei werden alle inhaltlichen Themenfelder wie Forschung & Entwicklung, Einkauf oder Marketing und Vertrieb sowie Kommunikation selbstverständlich unter dem Blickpunkt einer nachhaltigen Unternehmensführung betrachtet. Schließlich werden auch die eigenen Teamprozesse reflektiert und das Präsentieren der erabeiteten Konzepte im Rahmen eines realistischen und praxisnahen Szenarios vorbereitet.

Diese Praxisorientierung wird durch die enge Zusammenarbeit von Wissenschaftlern und Lehrenden mit den jeweiligen Praxispartnern gefördert.  Nachfolgend finden Sie einen Überblick über unsere Praxispartner bei den bisherigen Unternehmensworkshops des MBA Sustainability Management:

  • BASF
  • BIONADE
  • BUDNIKOWSKY
  • DESY
  • DRÄXELMAIER
  • EWE
  • IKEA
  • LUFTHANSA
  • MEMO
  • POLIBOY
  • REWE
  • SPARKASSE ULM & SPARKASSENVERBAND BADEN-WÜRTTEMBERG
  • UTOPIA
  • VAILLANT
  • VOITH
  • WERKHAUS

Hinweis: Text basiert auf Bild und Meldung von Werkhaus

Green Skills – Interview: Vom Management natürlicher Ressourcen

Andreas Knoell ist Berater für Corporate Social Responsibility (CSR) und studiert neben seiner beruflichen Tätigkeit den MBA Sustainability Management an der Leuphana Universität Lüneburg. Im Interview berichtet Knoell wie er all das unter einen Hut bekommt und wie bei ihm Nachhaltigkeit zum beruflichen Thema geworden ist.

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„Green Skills“ sind zurzeit in aller Munde. Was genau verbirgt sich eigentlich hinter dieser vermeintlichen Zauberformel und wie entwickelt man Green Skills? In dieser Interviewreihe präsentieren wir Ihnen Persönlichkeiten, die es geschafft haben und zeigen auf Projekte, die in neue Richtungen weisen. Lesen Sie hier von Lösungen, Initiativen und professionellen Wegen wie Nachhaltigkeit unternehmerisch umgesetzt werden kann.

LEUPHANA: Herr Knoell, Sie beraten Unternehmen und Organisationen zu Themen wie verantwortungsvolles Management und Beschaffung natürlicher Ressourcen, relevante Nachweisverfahren und Zertifizierungssysteme, wie z.B. dem Forest Stewardship Council (FSC). War das schon lange ein Berufswunsch oder hat es sich durch bisherige Etappen im Leben so ergeben?

In seinem Element: Andreas Knoell umgeben von Bäumen

In seinem Elemten: Andreas Knoell umgeben von Bäumen (Foto: privat)

ANDREAS KNOELL: Bisherige Etappen waren sicherlich wegweisend für mein aktuelles Tätigkeitsprofil. Diese wiederum wurden durch meine Wünsche und Neigungen geprägt, was ich als großes Glück empfinde. Das Interesse an einem verantwortungsvollen Umgang mit natürlichen Ressourcen wurde in jungen Jahren durch das Aufwachsen im Odenwald geprägt. Dadurch entwickelte sich auch der inhaltliche Schwerpunkt der nachhaltigen Nutzung von Wäldern, der über die Zeit erweitert wurde: Zum einen um interdisziplinäre Arbeitsansätze durch das Studium der Ethnologie sowie der Holzwirtschaft. Zum anderen um landwirtschaftliche Produkte und deren globale Lieferketten durch die Ausweitung der fachlichen Expertise. Die aktuelle Tätigkeit als Inhaber einer Beratungsunternehmung hat sich als reizvolle Möglichkeit der beruflichen Weiterentwicklung ergeben, da ich zuvor mehrere Jahre als angestellter Berater weltweit tätig gewesen bin. Somit treffen im Grunde beide in der Frage genannten Optionen zu.

Sie beschäftigen sich besonders mit Nachhaltigkeitsfragen der internationalen Forst- und Holzwirtschaft. Wie grün ist diese heute? Vor welchen Herausforderungen steht sie?

Im globalen Kontext gesprochen ist das regional sehr unterschiedlich. Während wir in einigen waldreichen Ländern eine Zunahme der Umsetzung von nachhaltigen Bewirtschaftungsmustern erkennen können, gibt es andere, in denen eine nachhaltige Nutzung bereits an der Nicht-Einhaltung von nationalen gesetzlichen Vorgaben scheitert. Insgesamt wächst seit einigen Jahren der Druck v.a. seitens der öffentlichen und privaten Konsumenten durch eine erhöhte Transparenz innerhalb der Lieferkette die Bedingungen in den Produzentenländern zu verbessern. Entscheidend ist, inwiefern die örtlichen Rahmenbedingungen eine nachhaltige Waldbewirtschaftung begünstigen. Insgesamt sehen wir eine zunehmenden Nutzungsruck auf Naturwaldflächen und ebenso eine steigende Umwandlung von Waldflächen in andere Nutzungsformen, speziell zur Produktion von landwirtschaftlichen Erzeugnissen. Instrumente wie forstliche Zertifizierungssysteme einschließlich der Überprüfung der Lieferketten oder öffentliche Beschaffungsrichtlinien sind etabliert worden, auch um in Konsumentenmärkten nachweislich nachhaltige Forstprodukte anbieten zu können. Eine Herausforderung besteht darin eine weitere Ausweitung der zertifizierten Waldflächen zu unterstützen, da diese die Rohstoffbasis für alle folgenden Lieferketten bildet. Doch selbst in Ländern wie Deutschland, in dem mehr als sieben Millionen Hektar Waldfläche nach mindestens einem der beiden anerkannten Systeme FSC (Forest Stewardship Council) und PEFC (Programme for the Endorsement of Forest Certification Schemes) zertifiziert sind, muss die lokale Nachfrage nach zertifizierten Forstprodukten noch gesteigert werden.

Inwieweit hilft Ihnen die akademische Ausbildung diesen Herausforderungen der Holzwirtschaft zu begegnen?

Eine akademische Ausbildung ist nach wie vor die Grundlage, auf die die notwendige praktische Arbeitserfahrung aufbauen kann. In der konkreten Umsetzung von spezifischen Elementen von Nachhaltigkeitsstrategien ist es jedoch eher die Praxiserfahrung, die gefragt ist. Ich kann klar bejahen, dass die interdisziplinäre akademische Ausbildung in Kombination mit 15 Jahren Arbeitserfahrung in 30 Ländern zu einem Mix aus neutraler technischer Expertise und sogenannten Soft Skills geführt hat, der von einer Vielzahl von Organisationen dauerhaft nachgefragt wird.

Parallel zu Ihrer Tätigkeit als Berater studieren Sie aktuell noch an der Leuphana Universität Lüneburg den MBA Sustainability Management Studiengang. Wieso haben Sie sich entschieden neben dem Beruf weiter zu studieren?

Dieser MBA ist mir seit seiner Gründung bekannt und ich habe seine Entwicklung aus der Distanz verfolgt. 2012 kehrte ich nach mehreren Jahren im Ausland nach Deutschland zurück und bewarb mich 2013 als absehbar war, dass die Existenzgründung erfolgreich verlaufen würde. Für mich stellt dieser MBA die ideale Ergänzung meines bisherigen Profils um die ökonomische Seite des Nachhaltigkeitsparadigmas dar. Ich erweitere damit meinen Wissenshorizont und somit mittelfristig auch mein Tätigkeitsspektrum. Genauso wie beim Zweitstudium der Ethnologie und Geographie bin ich mir bewusst, dass sich der wahre Mehrwert dieser zusätzlichen Ausbildung erst im Laufe von Jahren zeigen wird. Diesem Entfaltungsprozess sehe ich mit Spannung und Freude entgegen.

Gelingt es Ihnen als selbständiger Berater Studium, Beruf und Freizeit unter einen Hut zu bringen? Glauben Sie, dass es einfacher oder schwerer ist, wenn man sich in einem klassischen Angestelltenverhältnis bei einem Unternehmen befindet?

Studium, Beruf und Privatleben unter einen Hut zu bringen, so dass alle „stakeholder“ zufrieden sind, stellt wahrscheinlich die größte Herausforderung während des Studiums dar. Vor allem im ersten Jahr kam es zu Belastungsspitzen und einer starken Einschränkung der verfügbaren Freizeit. Im zweiten Jahr habe ich einige Verbesserungen der organisatorischen Abläufe im Studium vorgenommen, so dass ich mit dem momentanen Verlauf keine Schwierigkeiten habe. Das Ende ist überdies absehbar. Die Selbständigkeit erlaubt es mir, benötigte Zeitkontingente bedarfsgerecht für das Studium zur Verfügung zu stellen. Damit ist ein effizientes Zeitmanagement möglich. Da die Andreas Knoell Consulting über eine sehr gute Grundauslastung verfügt, glaube ich inzwischen, dass die Selbständigkeit in meinem Fall das parallele Studieren unterstützt. Flexibilität und Arbeitswillen sind hierbei ausschlaggebende Aspekte, da es eben keine geregelten Arbeits- und damit planbare Freizeiten gibt.

Hinweis: Das Interview entstand in Kooperation mit Umwelthauptstadt.de/Jobverde und erschien dort im September 2015

In der Reihe Green Skills portraitieren das Centre for Sustainability Management (CSM) und dessen Partner Persönlichkeiten und ihr Engagement im Nachhaltigkeitsmanagement. Praxisnah aber detailreich werden aktuelle Projekte, neue Handlungsfelder und vielfältige Innovationen für unternehmerische Nachhaltigkeit vorgestellt.

Archiv: Bisherige Beiträge abrufen

Online-Portal „Grünes Wissen“ gestartet

Was wird eigentlich im Bereich Nachhaltigkeit geforscht? Welche Themen im großen Feld nachhaltiger Entwicklung gibt es? Wie entstehen Ergebnisse in der Wissenschaft? Und wie läuft eine Forschung eigentlich ab? Zu diesen Fragen gibt das Portal gruenes-wissen.net Antworten und liefert neue Impulse.

Nachhaltigkeitswissenschaftlerinnen und -wissenschaftler der Leuphana Universtität Lüneburg haben jetzt ein neues Online-Wissenschaftsportal gestartet, das frei zugänglich Orientierung zu unterschiedlichsten Fragen einer nachhaltigen Entwicklung bietet. Dafür stellt das Portal redaktionell bereitete Inhalte und auch Recherchemöglichkeiten in einer Datenbank zur Verfügung.

Nachhaltigkeitswissenschaft allgeminverständlich präsentiert

Ziel des Portals ist es, wissenschaftliche Inhalte aus dem Feld nachhaltige Entwicklung allgemeinverständlich aufzubereiten. Zu den behandelten Themengebieten gehören beispielsweise Klimawandel, nachhaltiger Konsum, nachhaltige Chemie oder Social Entrepreneurship.

Das Vorgehen ist dabei auch prozessorientiert: Neben der Präsentation von Forschungsergebnissen, finden auch die Prozesse des wissenschaftlichen Erkenntnisgewinns sowie die Perspektiven in der Nachhaltigkeitsforschung Berücksichtigung. Die Spannbreite der dargestellten Inhalte reicht von theoretischen Hintergründen bis zu praktischen Materialien, die auch für Lehrzwecke genutzt werden können. Zur Zielgruppe gehören alle, die sich beruflich, zivilgesellschaftlich oder privat mit dem Thema nachhaltige Entwicklung beschäftigen – beispielsweise Journalistinnen und Journalisten, Vertreterinnen und Vertreter von Nicht-Regierungs-Organisationen, Lehrende oder Studierende.

Ein Themenschwerpunkt: Social und Sustainability Entreprenurship

Prof. Jantje Halberstadt

Auch Beiträge zum Themenfeld Social Entrepreneurship sind bereits online. In einem Interview zur Eingränzung ihres Forschungsfeldes skizziert Professorin Jantje Halberstadt einige aktuelle Entwicklung. Sie lehrt und forscht am Centre for Sustainability Managemenet (CSM) im Rahmen der Junior-Professur Social Entrepreneurship. Sie findet es spannend, wie unternehmerische Ansätze dazu beitragen können, soziale und ökologische Probleme, die in der Gesellschaft entstehen, zu lösen.

Neue Formate zur Wissenschaftskommunikation

Im Rahmen des Portals werden neue Formate der Wissenschaftskommunikationentwickelt zu Fragen einer nachhaltigen Entwicklung erprobt und entwickelt. Dabei zeichnet sich „Grünes Wissen“ insbesondere durch seine Vielfalt an Perspektiven und die Synergie verschiedener Medien (u.a. Texte, Videos, E-Lectures) aus.

Für Forschende aus den Nachhaltigkeitswissenschaften gibt es die Möglichkeit, sich kostenlos als Experten zu registrieren. So werden sie öffentlicher Teil des Expertenpools zu Grünem Wissen und Nachhaltigkeit, können ihre Publikationen und Projekte einem erweiterten Personenkreis zugänglich machen und positionieren ihren Forschungsschwerpunkt.

Ein Projekt des UNESCO Chair „Hochschulbildung für nachhaltige Entwicklung“

Das Portal mit dem Namen „Grünes Wissen“ entstand in einem Projekt unter der Leitung von Professor Gerd Michelsen am UNESCO Chair „Hochschulbildung für nachhaltige Entwicklung“. Inhaltlich wird das Projekt von der Fakultät Nachhaltigkeit und der Universitätsbibliothek Lüneburg unterstützt. Der Aufbau des Portals wurde finanziell von der Bernhard und Ursula Plettner Stiftung ermöglicht.

www.gruenes-wissen.net

TEDx-Konferenz: Vom Reparieren des Kapitalismus

In diesem Sommer fand die erste Tedx-Konferenz auf dem Campus der Leuphana Universität Lüneburg statt. Natürlich spielten auch Nachhaltigkeitsmanagement-Innovationen eine große Rolle.

Acht Speakerinnen und Speaker stellten ihre Ideen vor. Uwe Lübbermann stellte seine Ideen eine vom Reparieren des Kapitalismus und dem Funktionieren von Transparenz in einem hart umkämpften Geschäftsfeld vor: Der Soft-Getränkeherstellung.

Lübermann ist bekannt und auch beforscht als  innovativer Cola-Unternehmer: So spricht er darüber, wie Unternehmen als Konsensdemokratie organisiert werden können. Als Geschäftsführer einer Getränkemarke erhält er den gleichen Lohn wie alle anderen Mitarbeiter, Verträge schließt er grundsätzlich nicht ab, auch nicht mit Lieferanten, denn das Ehrenwort unter Kaufleuten genügt. Und es funktioniert:

„Mein Produkt ist nicht das Getränk. Mein Produkt ist das Reparieren des Kapitalismus.“

Uwe Lübbermann, Premium-Cola

Namhafte Unternehmensvertreter feiern Nachhaltigkeitsmanager

Am ersten Septemberwochenende feierten zahlreiche namhafte Persönlichkeiten und Vertreter aus Wirtschaft, Wissenschaft und Zivilgesellschaft den diesjährigen Absolventenjahrgang im MBA Sustainability Management der Leuphana Universität Lüneburg. 31 Absolventinnen und Absolventen schlossen erfolgreich ihr nebenberufliches Studium ab und führen nun den begehrten MBA-Titel.

Die feierliche Übergabe der MBA-Urkunden war außerdem Anlass für ein mehrtägiges Konferenzprogramm zum Nachhaltigkeitsmanagement. Bei den sogenannten „Home-Coming-Days“ tagten und diskutierten zahlreiche Nachhaltigkeitsexperten aus ganz Deutschland in Lüneburg.

Zur feierlichen Titelübergabe im Lüneburger Glockenhaus zeigte sich Torsten Kallweit von den Leistungen der Absolventen beeindruckt. Er ist „Head of Corporate Sustainability“ beim Maschinenbauunternehmen Voith in Baden-Württemberg und war Praxispartner des MBA-Abschluss-Workshops im vergangenen Semester. Das Unternehmen Voith gilt als Global-Player u.a. im Papiermaschinen- und Turbinenbau und sieht sich als Familienbetrieb mit Milliardenumsatz im Selbstverständnis der Nachhaltigkeit verpflichtet.

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Zum Festakt im Glockenhaus kamen Gäste aus ganz Deutschland nach Lüneburg

Während ihres einwöchigen Abschluss-Workshops hatten die Absolventen neue Nachhaltigkeitskonzepte für das Unternehmen diskutiert und erarbeitet und wechselseitig für Lernkurven und neue Impulse gesorgt. Vorschläge zur Verbesserung des Führungskräftedialogs beispielsweise habe man aufgegriffen und bereits realisiert, berichtete Kallweit daher vor den frisch diplomierten Nachhaltigkeitsmanagerinnen und Nachhaltigkeitsmanagern.

Neue Ideen und Ansätze verändern die Wirtschaftswelt

Studierende und Absolventen des MBA Sustainability Management bewegen sich in einem Themenfeld mit zahlreichen Perspektiven: Kaum ein größeres Unternehmen kommt heutzutage ohne Nachhaltigkeits- oder CSR-Abteilung aus. Aber auch viele Mittelständler entwickeln neue, nachhaltige Geschäftsideen und sind branchenübergreifende Innovationstreiber. In vielen Wirtschaftsfeldern entstehen auf diese Weise zurzeit ganz neue Märkte.

Die Motive der Absolventen sind vielfältig: Sie wollen Unternehmen ökologisch und sozial verantwortungsvoller gestalten. Oder Verwaltungen und öffentliche Organisationen für ökologisch sinnvolle Arbeitsprozesse gewinnen und sie gleichzeitig wirtschaftlich erfolgreicher machen. Vor diesem Hintergrund zieht der Weiterbildungsstudiengang Fachleute aus den unterschiedlichsten Bereichen an: Juristen, Mediziner, Ingenieure, Wirtschafts- oder Naturwissenschaftler entscheiden sich für das MBA-Studium. Gemeinsam treibt sie die Idee an, neue Lösungen zu finden und dabei auch die Welt zu verbessern.

Nachhaltigkeit durch Leidenschaft und Emotion

Leidenschaft und Emtionen für mehr Nachhaltigkeit zu nutzen, forderte in seinen Grußworten Professor Stefan Schaltegger ein. Als Studiengangsleiter begleitete er die Absolventen die letzten beiden Jahre durch deren Studium. Er appellierte, nicht nur mit rationalen Argumenten die Ideen der Nachhaltigkeit zu vertreten, sondern auch Herz und Gefühl zu berücksichtigen. Die Nachhaltigkeitsdebatte dürfe nicht durch langweilige, technokratische oder mit Detailfragen befrachtete Perspektiven ausgebremst werden. Starke, positive Emotionen, gute Geschichten und Erfolgsstorys sind oft der Impulsgeber für weitreichende Managemententscheidungen, die erst im Nachhinein rational legitimiert werden. Seine Handlungsaufforderung:

„Schaffen wir gemeinsam den Boden, damit starke Nachhaltigkeit erreicht wird“.

Die Absolventen kamen an diesem Wochenende aber nicht nur nach Lüneburg, um ihre Urkunden entgegenzunehmen. Auf der jährlichen Nachhaltigkeits-Netzwerkkonferenz „Home Coming Days“ tauschten sie sich mit Experten aus, knüpften neue persönliche Kontakte und kamen mit Referenten aus Wissenschaft und Wirtschaft ins Gespräch. In diesem Jahr stand die Veranstaltung unter dem Motto „Netzwerken für Nachhaltigkeitsexperten“. Dabei wurde immer auch der Bogen zur sozialen und ökologischen Dimension von ökonomischen Prozessen geschlagen.

Konzept nachhaltiger Olympischer Spiele diskutiert

Auch der Generalsekretär des Rates für Nachhaltige Entwicklung, Professor Günther Bachmann, engagierte sich in den verschiedenen Diskussionsrunden: Intensiv wurde im Rahmen der Tagung beispielsweise die Olympiabewerbung der Stadt Hamburg unter Nachhaltigkeitsgesichtspunkten erörtert.

Zum Thema Sport sprach später auch Sylvia Schenk von Transparency International auf der Abschlussveranstaltung der Home Coming Days am Samstagabend. Sie hat in den letzten Jahren weltweit sportliche Großereignisse für Transparency International begleitet und verband im Vortrag das Thema Compliance und Korruptionsbekämpfung an vielen Stellen mit Nachhaltigkeit und dem Potential eines erfolgreichen Nachhaltigkeitsmanagements bei Weltmeisterschaften, Olympia oder vergleichbaren Großereignissen.

Den Höhepunkt des Wochenendes bildete dann eine große Geste: Als Zeichen des Aufbruchs in eine neue Lebensphase ging es mit einem schwungvollen Hutwurf in den neuen Lebensabschnitt. Eine Tradition, die auch im Nachhaltigkeitsmanagement-MBA der Leuphana Universität seit über 10 Jahren gilt und die dann bis spät in die Nacht gefeiert wird.

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MBA-Titelverleihung im Nachhaltigkeitsmanagement: Nach bewährter Tradition lassen die MBA-Absolventen in Lüneburgs historischer Altstadtkulisse ihre Master-Hüte fliegen

Bis 30. September für den kommenden Jahrgang bewerben

Der MBA Sustainability Management richtet sich an engagierte Persönlichkeiten, die einen Karrieresprung anstreben und diesen Schritt fachlich fundiert mit Nachhaltigkeitsthemen verbinden möchten. Im Gegensatz zu konventionellen MBAs konzentriert man sich in diesem Nachhaltigkeitsmanagementstudiengang über alle betriebswirtschaftlichen Themen hinweg immer auf die Frage, wie eine nachhaltigkeitsorientierte Unternehmensentwicklung erfolgen kann. Ein klarer Praxisbezug, die Analyse von Nachhaltigkeitspionieren sowie auch die Vermittlung von Führungskompetenzen vervollständigen diesen gestalterischen Anspruch. Das Fernstudium kann berufsbegleitend in Teilzeit oder auch in Vollzeit absolviert werden und ist international anerkannt.

Jetzt bewerben: Bewerbungsschluss für den MBA Sustainability Management am 30. September 2015

Der MBA Sustainability Management vereint seit 2003 die Vermittlung von Fachkenntnissen und Soft Skills mit Themen des Nachhaltigkeitsmanagements. Er wird vom Centre for Sustainability Management (CSM) im Rahmen der Professional School angeboten, in der die Weiterbildungsangebote der Leuphana Universität Lüneburg angesiedelt sind. Das berufsbegleitende MBA-Fernstudium ist der weltweit erste universitäre MBA zu Nachhaltigkeitsmanagement und Corporate Social Responsibility (CSR). Das Studium richtet sich an Personen, die einen Karrieresprung anstreben und nachhaltige Entwicklung auf unternehmerischen Wege in ihren jeweiligen Berufsfeldern vorantreiben möchten.

Informationen zum Studiengang MBA Sustainability Management

Centre for Sustainability Management
Leuphana Universität Lüneburg
Fon: +49(0) 4131.677-2235
E-Mail: info@sustainament.de
Web: www.leuphana.de/csm

Nachhaltigkeitsmanagement: Unternehmen erkennen Potenziale nicht

Viele Manager gestalten ihr Nachhaltigkeitsmanagement zu wenig wirtschaftlich aus, weil sie nicht daran glauben, so die Erkenntnis von Professor Stefan Schaltegger. Er erläutert, warum Unternehmen sich mit ihren CSR-Aktivitäten vor allem legitimieren wollen.

Auf dem CSR-Forum 2015 haben Sie aufgezeigt, dass der Geschäftserfolg im Nachhaltigkeitsmanagement mit den so genannten Mindsets von Managern zusammenhängen. Was ist damit genau gemeint?

Prof. Stefan Schaltegger, Centre for Sustainability Management (CSM) der Leuphana Universität Lüneburg

Prof. Stefan Schaltegger

Stefan Schaltegger: Jahrelang haben wir uns mit der Frage beschäftigt, welchen Beitrag Nachhaltigkeitsaspekte zum wirtschaftlichen Erfolg eines Unternehmens leisten können. Zu diesem Thema gibt es inzwischen viele Methoden und Konzepte. Doch viele Unternehmen scheinen die wirtschaftlichen Potenziale von Nachhaltigkeitsmaßnahmen kaum zu erkennen. Ein Erklärungsansatz ist, dass dem Nachhaltigkeitsmanagement eine gedankliche Werthaltung und eine Prädisposition – wir nennen es gedankliche Vorspurung – vorausgeht.

Was ist bei der Implementierung einer Nachhaltigkeitsstrategie am wichtigsten?

Zunächst einmal müssen die Ziele des Engagements definiert werden. Der Kern des Nachhaltigkeitsmanagements ist, die Umwelt- und die Sozialleistungen zu verbessern. Dabei ist eine solche Zielsetzung allerdings immer im organisationalen Kontext zu sehen, denn ein Unternehmen ist ein Wirtschaftsunternehmen. Diesbezüglich haben wir zwei mögliche organisationale Zielrichtungen für Nachhaltigkeitsaktivitäten untersucht.

Welche sind das?

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Nachhaltige Geschäftsmodelle: Unternehmen in der Transformation

Wie unterstützen nachhaltige Geschäftsmodelle die Nachhaltigkeitstransformation? Auf der Jahrestagung des Instituts für ökologische Wirtschaftsforschung (IÖW) referierte Dr. Florian Lüdeke-Freund über Nachhaltigkeit und Geschäftsmodelle im Rahmen der Tagung: „Geschäftsmodell Nachhaltigkeit – Wirtschaft und Wirtschaftsförderung in der Transformation“. Sein Vortrag ist jetzt auch als Konferenzvideo verfügbar.

Geschäftsmodelle als unternehmerische Konzepte bzw. Orientierungsraster sind in den letzten Jahren sehr stark in den Blickpunkt der Managementforschung geraten. Dr. Florian Lüdeke-Freund erläutert, wie Geschäftsmodelle als Konzept und Orientierungsrahmen in den Köpfen von Unternehmerinnern und Unternehmern in der Lage sond, Nachhaltigkeitsinnovationen zu befördern:

Video zum Vortrag:

Außerdem ordnet der Nachhaltigkeitswissenschaftler die Forschung zu nachhaltigen Geschäftsmodellen in den Kontext weiterer Debatten um Nachhaltige Entwicklung, Nachhaltigkeitstransformation und Nachhaltigkeitsmanagement ein. Man könne davon ausgehen, dass Geschäftsmodelle in der Lage sind bereits vorhandene positive Entwicklungen und Tendenzen aufzuspüren und zu verstärken. Das Aufgreifen positiver Entwicklungen und die Realisisierung in unternehmerisches Handeln verstetigt und institutionalisiert dann neue, positive Konsum- bzw. Produktionsansätze.

Information zum Referenten:

Dr. Florian Lüdeke-Freund arbeitete von September 2006 bis Februar 2014 als wissenschaftlicher Mitarbeiter am Centre for Sustainability Management (CSM). Er promovierte am CSM zum Thema  Business Models for Sustainability Innovation .

Seit März 2014 ist er wissenschaftlicher Mitarbeiter und Habilitand an der Professur für Kapitalmärkte und Unternehmensführung, Universität Hamburg. Die Forschungsinteressen von Florian Lüdeke-Freund liegen u.a. in den Themenbereichen Nachhaltigkeitsmanagement und nachhaltiges Unternehmertum, Geschäftsmodelle und Geschäftsmodellinnovation sowie die Förderung und Finanzierung von erneuerbaren Energien (insbes. Photovoltaik).

Neben Forschungs- und Lehrtätigkeiten baut er die Themenplattform www.SustainableBusinessModel.org auf und ist Mitglied der Strongly Sustainable Business Model Group an der OCAD University, Toronto, Kanada. Von Mai 2014 bis Juli 2015 beteiligt sich er sich als Projektpartner an dem von ihm mitentwickelten Forschungsprojekt Nachhaltigkeitsorientierte Geschäftsmodellbewertung (SUST-BMA) .

Interviewreihe Green Skills: Fair-Trade in der Gastronomie

„Green Skills“ sind zurzeit in aller Munde. Was genau verbirgt sich eigentlich hinter dieser vermeintlichen Zauberformel und wie entwickelt man Green Skills? In dieser Interviewreihe präsentieren wir Ihnen Persönlichkeiten, die es geschafft haben und zeigen auf Projekte, die in neue Richtungen weisen. Lesen Sie hier von Lösungen, Initiativen und professionellen Wegen wie Nachhaltigkeit unternehmerisch umgesetzt werden kann.

Schweizerinnen und Schweizer sind Weltmeister im Einkauf von Fair-Trade-Produkten. Und Gäste interessieren sich zunehmend für die Herkunft ihres Essens. Ist die Zeit also reif für ein Fair-Trade-Engagement der Gastronomie? Dieser Frage ist Wiebke Suter-Blume im Rahmen ihrer MBA-Abschlussarbeit mit Schweizer Gastronomen nachgegangen. Im Gespräch verrät sie wichtige Ergebnisse, wie sich Fair Trade für Gastbetriebe lohnen kann und worauf dabei zu achten ist.*

Worum geht es bei Fair Trade eigentlich genau?

Wiebke Suter-Blume: Der Faire Handel will benachteiligten Bauern im Weltsüden helfen, von ihrer Arbeit und nicht von Almosen zu leben. Dafür müssen sie Preise erzielen, von denen sie leben und ihre Kinder in die Schule schicken können. Dies garantiert der Faire Handel. Wer beim Einkauf auf Fair Trade achtet, beweist also weltweite Solidarität. So können Lebensmittel aus dem Weltsüden nach demselben Prinzip eingekauft werden wie regionale Produkte im Inland.

Woran sind fair gehandelte Produkte zu erkennen?

Leider sieht man einem Produkt nicht an, wie es gehandelt wurde. Auch am Geschmack ist das nicht zu erkennen. Da muss man sich auf Fair-Trade-Label von unabhängigen Zertifizierern verlassen, den Fair-Trade-Programmen von Herstellern glauben oder zertifizierten Fachhändlern vertrauen.

Fair-Trade-Produkte gibt es für alle Bereiche der Speisekarte. Für Getränke: Kaffee, Tee, Trinkschokolade und Fruchtsäfte; für den Hauptgang: Reis, Getreide und Gewürze und für das Dessert: Früchte, Glacé, Schokolade, Zucker und Nüsse. Vieles davon ist heute sogar bei Grossisten verfügbar – nur leider kaum beworben und will daher noch entdeckt werden!

Können Sie aufgrund ihrer Arbeit bestimmte Label empfehlen?

Die Recherchen haben ergeben, dass aktuell für die Gastronomie vor allem das Max Havelaar Label relevant ist. Dies kann zwar zu 5 bis 15 Prozent höheren Produktpreisen führen. Dafür hat es aber auch hohe Standards in der Armutsbekämpfung und lässt sich gut vermarkten, da die Gäste es kennen.

Wichtige Alternativen wären der grüne Frosch der Rainforest Alliance oder das utz-Siegel. Diese führen zwar nicht zu höheren Produktpreisen, haben dafür aber auch geringeren Nutzen für die Bauern im Weltsüden und lassen sich kaum dem Gast gegenüber vermarkten, da dieser die Label nicht kennt. Bei den Fachhändlern führt aktuell vor allem die Claro AG ein Sortiment, das für die Gastronomie interessant ist.

Warum soll sich ein Gastronom die Mühe machen, das Fair-Trade-Angebot zu entdecken?

Das ist Einstellungssache. In den Interviews habe ich verschiedene gute Argumente gehört. Die einen sehen darin eine praktische Möglichkeit für wenig Geld einen Beitrag zur Armutsbekämpfung zu leisten oder haben sich aus Nächstenliebe dazu verpflichtet. Andere sehen im Verkauf von Fair-Trade-Produkten eine Möglichkeit, das Image ihres Betriebes als sozial verantwortlich deutlich zu demonstrieren und somit Goodwill der Gäste zu erhalten, wenn sie im Preiskampf nicht mitmachen wollen.

Kann ein Gastronomiebetrieb mit Fair Trade verdienen, oder legt er drauf?

Fair Trade kann ein gutes Argument in der Preisstrategie des Betriebes sein, in der auch die Mehrkosten verrechenbar sind. Einige bekannte Gastronomiebetriebe machen dies ja auch bereits vor. Denn die Mehrkosten für eine Tasse Fair Trade Kaffee belaufen sich auf ca. 1.25 bis 3.75 Prozent des Verkaufspreises. Bei einem Gericht mit einer fair gehandelten Komponente sogar nur auf 0.35 bis 0.93 Prozent. Daher kann Fair Trade ein Argument sein, um ein gutes Preisniveau zu halten oder die nächste Preisschwelle zu überspringen. Fair Trade ist bei Gästen ein Zusatzargument und ein wichtiges Mittel zur Kundenbindung.

Warum ist das faire Angebot der Gastronomiebetriebe dann nicht grösser?

Das war das Kernthema der Masterarbeit. Die meisten Gastronomen wissen zu wenig über ihre Möglichkeiten. Das fängt damit an, dass das faire Angebot der Grossisten so gut wie unbekannt ist. Aber es ist vorhanden. Auch setzen viele Gastronomen fair mit zu teuer gleich, weil der Mehrpreis, der dem Bauern im Weltsüden die Existenz sichert, für uns unvorstellbar niedrig ist. Und leider kommt es auch immer wieder zu enttäuschenden Erfahrungen, wenn Gastronomen zu wenig über die verschiedenen Label und deren Werbewirkung wissen.

Was empfehlen Sie also Gastronomen aufgrund der Studie?

Mit Fair Trade sammeln Gastronomiebetriebe beim Gast Punkte für Fairness. Damit es sich rechnet und Enttäuschungen ausbleiben, ist der Prozess vom Einkauf bis zum servierten Gericht zu betrachten. Auch müssen Kommunikation und Angebot stimmig sein – Produkte aus kleinbäuerlicher Fair-Trade-Produktion im Weltsüden ergänzen etwa ein regionales Speiseangebot sehr gut. Und wem das alleine zu „heiss“ ist, dem sei wärmstens empfohlen, sich beraten zu lassen. Label-Organisationen und andere Fair-Trade-Akteure helfen gerne beim Einstieg, für kein oder wenig Geld!

Zur Person: Wiebke Suter-Blume leitet heute bei „Stop Armut 2015“ den Bereich Nachhaltigkeit. Ihre Masterarbeit im Studiengang MBA Sustainability Management der Leuphana Universität Lüneburg ist die Grundlage des Informationsangebots der Kampagne „Stop Armut 2015“ für interessierte Gastronomen. Die Kampagne ruft zu praktischen Massnahmen im Schweizer (Geschäfts-)Alltag auf, um prekäre Lebensbedingungen im Weltsüden zu verbessern.

*Text: Das Interview wurde für den Baseler Wirteverband geführt und ist  dort abrufbar. Wir danken den Kolleginnen und Kollegen sowie Frau Suter-Blume für ihren Beitrag.

Unternehmerische Nachhaltigkeit: VOITH Praxisspartner für Managementausbildung am CSM

Wie lernt man Nachhaltigkeit in Unternehmen zu gestalten und umzustzen? Angehende Führungskräfte im Studiengang MBA Sustainability Mangement bestehen dazu ein Praxisszenario. Eine Woche lang blicken sie zum Ende der Ausbildung hinter die Kulissen eines deutschen Unternehmens.  Im November 2014 war der Technologiekonzern Voith  der Praxispartner des aktuellen MBA-Abschlussjahrgangs.

Da Voith künftig noch stärker auf Nachhaltigkeit setzen will, wurden die Nachhaltigkeitsexperten des MBA Sustainability Management im Rahmen des Praxisworkshops eingeladen. Vom 10. bis zum 14. November 2014 waren 27 Studierende des MBA Sustainability Management für einen Unternehmensworkshop bei dem weltweit agierenden Technologiekonzern Voith zu Gast. Am Hauptsitz des Konzerns im schwäbischen Heidenheim erarbeiteten sie praxisnah neue Ansätze und Konzepte für die Umsetzung unternehmerischer Nachhaltigkeit. Die Erfahrung aus vergangenen MBA-Workshops zeigt: In vielen Fällen führen die Ideen zu neuen Projekten und Impulsen beim Gastgeber-Unternehmen.

Ingenieurskunst als Wertebasis der Nachhaltigkeitsbemühungen bei Voith

Das im Jahre 1867 von Friedrich Voith gegründete Familienunternehmen ist heute mit über 43.000 Mitarbeitern und Mitarbeiterinnen in mehr als 50 Ländern der Welt zu Hause. Mit dem Motto „Engineered Reliability“ ist Voith mit einem Portfolio an technischen Großanlagen und hoch spezialisierten Ingenieurprodukten sowie Industriedienstleistungen auf fünf Kontinenten tätig. Kerngeschäftsfelder und Märkte sind Papiermaschinen, Wasserkraft, Öl-, Gas- und Rohstofffördertechnik, Automobile, Busse, Bahn und Schifffahrt.

Welche Bedeutung hat Nachhaltigkeit im strategischen Management?

Die Studierenden des MBA Sustainability Management analysierten Kernbereiche des strategischen Managements von Voith unter Nachhaltigkeitsgesichtspunkten und beleuchteten Ansätze zur operativen Umsetzung. Die Arbeitsschwerpunkte umfassten Themen wie unternehmensinterne Kommunikation, Verpackungssysteme, Mitarbeiter und Mitarbeiterinnen sowie Innovationen für nachhaltige Produkte.

Neben der fachlichen Arbeit entwickelte jede Gruppe bereits zu Wochenbeginn ein kurzes Bewegungsprogramm mit sportlicher Aktivität, um die Konzentrationsfähigkeit während der intensiven Arbeitswoche zu stärken. Auch das CSM-Team um Prof. Dr. Stefan Schaltegger und Dr. Dorli Harms war dazu eingeladen, sich dieser Herausforderung mit Therabändern anzunehmen.

Der Unternehmensworkshop schloss zum Ende der Praxiswoche mit den Präsentationen der Studierendengruppen, ihre entwickelten Ergebnisse der unternehmensintern und -extern besetzten, vierköpfigen Jury sowie ihren Kommilitonen und Kommilitoninnen vorzustellen. Die verschiedenen Lösungsansätze sprachen dabei nicht nur das Potential eines führenden Technologieunternehmens mit Familiengeschichte an, sondern widerspiegelten auch die Vielfalt, mit der unternehmerisches Nachhaltigkeitsmanagement in der Praxis weiterentwickelt und umgesetzt werden kann.

PDF: Voith Nachhaltigkeitsbericht 2013

Nachhaltigkeitsmanagement studieren – Interview mit Prof. Stefan Schaltegger

In den kommenden Wochen endet die Bewerbungsfrist für den MBA-Jahrgang 2015 im Studiengang MBA Sustainability Management. Anlass für ein Interview mit Studiengangsleiter Prof. Dr. Stefan Schaltegger und den wichtigsten Eckdaten zum Nachhaltigkeitsmanagement-Studiengang.

Nachhaltigkeitswissenschaftler im Gespräch: Ed Freeman, Wegbereiter der Stakeholder Theory und Stefan Schaltegger an der Leuphana Universität Lüneburg

Können Sie uns etwas über die Entstehungsgeschichte dieses MBAs erzählen?

Ich hatte mich bereits während meiner Zeit in Basel mit dem Thema Nachhaltigkeit beschäftigt und mit einem Kollegen dort das Wahlfach Umwelt für die Wirtschaftswissenschaftliche Fakultät aufgebaut. Die Absolventen kamen zwar teilweise in Führungspositionen, aber ihr Wissen über Nachhaltigkeit war nicht vertieft genug, um wirklich etwas zu bewegen. In Lüneburg hoffte ich, den Umweltwissenschaftlern ausreichend Managementkenntnisse vermitteln zu können. Allerdings kommen diese Absolventen später meist nicht in Führungspositionen. Wir haben dann nach dem besten Format für Führungskräfte gesucht, die Nachhaltigkeit in und mit Unternehmen vorantreiben wollen und können. Der MBA hat sich als geeignetes Format erwiesen, um in der Kombination mit Fachwissen Nachhaltigkeitsmanagement höher qualifiziert und praxisnah vertiefen zu können. 2003 war es dann soweit und der MBA Sustainability Management konnte starten – als unseres Wissens weltweit erster MBA Studiengang.

Persönliche Bewerbungsgespräche finden nur im Einzelfall statt, haben Sie ein Beispiel?

Der MBA Sustainability Management ist für alle interessant, die mit Nachhaltigkeitsfragen in einer Organisation beauftragt sind oder sich in diese Richtung entwickeln wollen. Zum Beispiel junge Fachkräfte, die in einem Autokonzern im Bereich Elektromobilität arbeiten oder dort neue Geschäftsmodelle wie Car-Sharing entwickeln, ein überzeugendes Motivationsschreiben und gute Zeugnisse mitbringen, verfügen über ein mögliches geeignetes Kandidatenprofil.

„Wir suchen Persönlichkeiten, die in ihren Unternehmen einen Wandel in Richtung Nachhaltigkeit umsetzen und aktiv mitgestalten wollen.“

Wenn aus dem Motivationsschreiben jedoch nicht klar hervorgeht, warum der Bewerber unseren MBA machen will, dann melden wir uns. Wir suchen Persönlichkeiten, die in ihren Unternehmen einen Wandel in Richtung Nachhaltigkeit umsetzen und aktiv mitgestalten wollen. Was wir nicht suchen, sind Studierende, die bloß einen MBA-Titel anstreben. Außerdem haben wir meist im Vorfeld schon engen Kontakt mit den Interessenten, die sich in der Regel sehr gründlich informieren. Bei diesem Schritt klären wir bereits, was ihre Motivation und ihr Ziel ist.

Aus ganz Deutschland kommen die Teilnehmer zum MBA im Nachhaltigkeitsmanagement an die Leuphana Universität Lüneburg

Welchen Hintergrund haben Ihre Studierenden?

Zu uns kommen Praktiker aus sämtlichen Unternehmensbereichen wie Marketing, Produktion, Human Resources oder F&E, aber auch aus diversen Branchen wie der Transport-, Ernährungs-, Finanz- oder Textilindustrie. Weitere Teilnehmer arbeiten im Bildungssektor oder bei NGOs; die meisten kommen aber aus Unternehmen. Etwa ein Drittel sind explizite Nachhaltigkeitsmanager; sie arbeiten zum Beispiel im Bereich Corporate Social Responsibility. Andere sind implizite Nachhaltigkeitsmanager; sie arbeiten in der Produktion, der Forschung oder im Innovationsmanagement. Das Thema Nachhaltigkeit hat aber große Bedeutung für sie, so dass sie sich vertiefte Kenntnisse aneignen möchten. 20 Prozent unserer Teilnehmer und Absolventen sind außerdem selbstständig oder haben neue Abteilungen, Geschäftsbereiche oder Unternehmen aufgebaut. Was den Erstabschluss angeht, hat nur knapp die Hälfte einen betriebswirtschaftlichen Hintergrund. Viele unserer Studierenden sind Biologen, Geisteswissenschaftler, Ethnologen, Chemiker oder Ingenieure usw.

Der MBA ist als Fernstudium angelegt, was bedeutet das konkret für die Studierenden?

Wir arbeiten mit einem sogenannten Blended-Learning-Ansatz. Die Studierenden erhalten die Materialien über unsere E-Learning-Plattform. Dort gibt es eine Bandbreite an Filmen, interaktiven Elementen mit Selbst-Checks, vertonten Power-Point-Präsentationen, Foren und Webinaren. Zusätzlich werden Skripte und Bücher aber auch in Papierform herausgegeben und es finden acht bis zehn Präsenzveranstaltungen je nach Wahlkombination statt. In unserem Team kümmert sich eine Mitarbeiterin ausschließlich um die Studierenden auf der E-Learning-Plattform. Eine weitere Person bereitet mit Dozierenden die Inhalte E-Learning-didaktisch auf; eine Person unterstützt Studierende und Dozierende bei allen technischen Fragen und zwei Mitarbeiterinnen organisieren die Präsenzen und die gesamte Administration. Bei inhaltlichen Fragen arbeiten unsere E-Tutoren als Schnittstelle zwischen Studierenden und Dozenten. Das gesamte Unterstützungsteam von neun Personen wird von der Studiengangskoordinatorin im Tagesgeschäft organisiert. Die sehr intensive Betreuung ist uns ausgesprochen wichtig.

Abschlussfeier im MBA Sustianability Management 2014

Im Jahr 2014 haben 54 Absolventen den MBA im Nachhaltigkeitsmanagement verliehen bekommen. Im Bild der Festakt während der Home Coming Days 2014.

Welche Angebote erwarten die Teilnehmer noch?

Wir organisieren jedes Jahr unsere Homecoming-Days, zu denen wir Studierende und Alumni einladen. An diesen Netzwerktreffen findet außerdem die Absolventenfeier statt. Das ganze dauert drei Tage und widmet sich zudem einem fachlichen Oberthema, zu dem wir Referenten aus der Praxis einladen, aber auch kleine Workshops mit intensiver Zusammenarbeit anbieten. Der Alumniverein, bei dem sich Studierende und Absolventen austauschen können, hat ein umfassendes Angebot aufgebaut. Zum Beispiel organisiert er Stammtische im Rheinland, in Hamburg, München, Berlin, Zürich usw. und sogar Shanghai. Unsere Absolventen arbeiten nämlich in der ganzen Welt, von Mali bis nach Chile, von Norwegen bis Südafrika. Ein- bis zweimal im Jahr organisieren die Alumni außerdem eine Studienreise. 2014 standen eine Berlin- und eine Kolumbien/Costa Rica-Exkursion zur Auswahl. Diese Studienreisen sind immer sehr beliebt und oft innerhalb weniger Tage ausgebucht.

Vortrag zum Nachhaltigkeitsmanagement von Unilever und Frosta bei den Home Coming Days 2014

Am 30. September 2014 endet der Bewerbungszeitraum für den MBA Sustainability Management