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“Green Skills” – Interview mit Andreas Mayer

„Green Skills“ sind zurzeit in aller Munde. Was genau verbirgt sich eigentlich hinter dieser vermeintlichen Zauberformel? Was unterscheidet „Green Skills“ von „Soft Skills“ und wo kann man sie erwerben?

Die Situation dürfte den meisten vertraut sein: Ein Unternehmen beschließt eine Nachhaltigkeitsstrategie und will dazu Messungen und eine entsprechende Berichterstattung einführen. Etwas ratlos wird in der Personalabteilung nachgefragt, wer sich im Unternehmen damit auskennen könnte. Wer hat die Qualifikationen, um die Maßnahmen umzusetzen und wer kann die Kolleginnen und Kollegen zur Mitarbeit motivieren? Wenn die Antwort vor allem aus ratlosem Schweigen besteht, sind Sie in bester Gesellschaft. Manchmal jedoch erinnert man sich: Da gibt es doch jemanden in einer der Abteilungen, eine wie-hieß-sie-noch-gleich, die diesen MBA-Studiengang Sustainability Management studiert.

Ein Blick in die Stellenanzeigen zeigt, dass sie immer öfter gesucht werden – die Expert/innen des Nachhaltigkeitsmanagements, die mit kühlem Sachverstand und hoher Nachhaltigkeitsexpertise beherzt zur Sache gehen.

Hier erfahren Sie, was Change Agents for Sustainability dazu motiviert, sich gestaltend in die Wirtschaft einzubringen, welche Hindernisse sie zu bewältigen haben, welche Fähigkeiten sie für besonders wichtig halten und nicht zuletzt, warum sie sich für diesen Weg entschieden haben. In dieser Reihe präsentieren wir Ihnen Persönlichkeiten, die es geschafft haben: Reflektierte Entscheider/innen, tatkräftige Macher/innen und hartnäckige Optimisten/innen – eben Change Agents for Corporate Sustainability!

Steckbrief: Andreas Mayer

  • Geboren 1980, verheiratet, eine kleine Tochter.
  • 2001-2005: Studium des Maschinenbaus an der Hochschule Ravensburg-Weingarten, anschließender Start der Berufslaufbahn in der Entwicklung des Maschinen- und Anlagenbauers Voith.
  • 2008-2010 berufsbegleitender MBA Studiengang Sustainability Management an der Leuphana Universität Lüneburg.
  • 2009 Aufbau und Weiterentwicklung von Energie- und Ressourceneffizienz-Analysen an weltweiten Produktionsstandorten bei Voith.
  • Seit 2012 Leitung der Nachhaltigkeitsabteilung bei der Alfred Kärcher GmbH & Co. KG mit zwei Mitarbeitern.

Das Interview:

Herr Mayer, was hat Sie nach Abschluss des Maschinenbaustudiums und mehrjähriger Tätigkeit bei der Voith GmbH in einer erfolgreichen Position bewogen, erneut zu studieren und warum den MBA Sustainability Management?

Ich wollte bereits nach meinem Maschinenbaustudium ein betriebswirtschaftliches Studium anschließen, um meinen Horizont zu erweitern. Die Aussicht finanziell auf eigenen Füßen zu stehen hat mich jedoch bewogen, die Pläne erst einmal zurückzustellen.

Die Ausrichtung des MBA Studienganges auf Nachhaltigkeit war für mich ausschlaggebend. Ich war und bin immer noch zutiefst überzeugt, dass das Thema Nachhaltigkeit sich dauerhaft in Unternehmen etablieren wird. Es reicht heute nicht mehr aus wirtschaftlich erfolgreich zu sein. Die Frage, wie Unternehmen ihr Geld verdienen, wird bei Kunden und in der Gesellschaft immer wichtiger und damit zu einem wirtschaftlichen Erfolgsfaktor.

Hat Sie das Studium vor besondere Herausforderungen gestellt? Wie konnten Sie diese meistern?

Ja, die Vereinbarkeit von Familie, Beruf und Studium hatte ich zu Anfangs ehrlich unterschätzt. Die zeitliche Belastung war doch enorm und ich habe viele Abende vor meinen Skripten und Hausarbeiten verbracht. In dieser Zeit hat mir insbesondere der starke Rückhalt meiner Frau geholfen.

War Ihr jetziger Arbeitgeber Kärcher von Anfang an auf Nachhaltigkeit ausgerichtet? Unterscheiden sich die Ziele und Strategien in dieser Hinsicht von denjenigen anderer Unternehmen?

Diese Frage ist bei einem Unternehmen mit über 75 jährigem Geschichte nicht in einem Satz zu beantworten. Richtig ist, dass sich bereits der Unternehmensgründer gesellschaftlich und für das Wohl seiner Mitarbeiter engagiert hat. Damals nannte man das nicht Nachhaltigkeit, sondern es war eine Einstellung die dem „ehrbaren Kaufmann“ inne ist.

Die Ziele und Strategien von Kärcher sind sicher nicht grundverschieden zu denen anderer Unternehmen, da wir bspw. mit denselben Megatrends konfrontiert sind. Besonders sind jedoch zwei Dinge: zum einen das sehr stark ausgeprägte soziale Engagement des Unternehmens, sowohl extern als auch gegenüber den eigenen Mitarbeitern. Zum anderen ist Kärcher ein Familienunternehmen mit einem sehr langfristigen Planungshorizont und damit nicht kurzfristigen Gewinnoptimierungen unterworfen.

Was hilft Ihnen heute dabei, diese Strategien erfolgreich umzusetzen und die gesetzten Nachhaltigkeitsziele zu erreichen?

Drei Dinge: vor allem der starke Rückhalt durch die Geschäftsführung zur Nachhaltigkeit. Ohne diesen haben Sie in keinem Unternehmen die Chance nachhaltig erfolgreich zu sein. Weiterhin ist ein hervorragend arbeitendes Team und ein sehr gutes Arbeitsklima besonders wichtig, aber auch die Unterstützung durch Mitarbeiter aus den verschiedensten Bereichen und Abteilungen weltweit darf nicht unterschätzt werden.

Zurzeit sind sie unter anderem gemeinsam mit dem Global Nature Fund in Kolumbien engagiert. Können Sie uns auch etwas zu diesem Projekt berichten? Sind weitere derartige Projekte geplant?

Wir haben 2012 eine Kooperation mit dem Global Nature Fund geschlossen, mit dem Ziel in Schwellen- und Entwicklungsländern Pflanzenkläranlagen zur Reinigung kommunaler Abwässer zu bauen. Das erste Projekt in San Miguel de Sema in Kolumbien wird bereits Ende 2013 in Betrieb genommen. Wir planen bereits den Bau weiterer Projekte und wollen die Kooperation auch mit Corporate Volunteering Projekten unterstützen.

Was ist aus Ihrer persönlichen Erfahrung heraus die größte Barrikade gegenüber der Umsetzung von Nachhaltigkeit in Unternehmen?

Die größte Barrikade für Nachhaltigkeit in einem Unternehmen  ist es, den mittel- und langfristigen Nutzen zu sehen. Natürlich gibt es Vorteile, die einfach ersichtlich sind, wie bspw. reduzierte Energiekosten durch Energieeffizienzprojekte oder reduzierte Kosten durch weniger Fehltage wegen verbesserter Arbeitssicherheitsstandards. Darüber hinaus gibt es aber auch weitere, nicht direkt ersichtliche Auswirkungen, die den eigentlichen Mehrwert von Nachhaltigkeit ausmachen. Dazu gehört die Gewinnung von Fachkräften durch eine verbesserte Arbeitgeberattraktivität oder die Steigerung des Markenwertes durch ein nachhaltiges Unternehmensimage. Beides sind Faktoren, die sich auch langfristig finanziell auszahlen.

Welche Wünsche haben Sie persönlich für die Zukunft im Hinblick auf Nachhaltigkeit?

Ich wünsche mir, dass Nachhaltigkeit kein Modethema wird, sondern sich dauerhaft in Unternehmen etabliert. Hierfür ist es wichtig, dass Nachhaltigkeit nicht als reines PR-Thema verstanden wird, sondern eine Einstellung der Unternehmensführung zum Ausdruck bringt und die Werte des Unternehmens verdeutlicht. Erst dadurch wird es ihnen möglich sein, langfristige Strategien zu verfolgen  und eine nachhaltige Unternehmensentwicklung im Zuge eines Change Management Prozesses zu erreichen.

Dazu passt der Titel unserer Reihe „Green Skills“: Die Gestalter der Wirtschaft von Morgen…“. Welche Green Skills sind erforderlich, um Ihre Wünsche Wirklichkeit werden zu lassen?

Um Nachhaltigkeit dauerhaft in Unternehmen etablieren zu können, brauchen Sie vor allem einen langen Atem. Es ist viel Überzeugungsarbeit auf allen Ebenen des Unternehmens zu leisten. Sie müssen es schaffen, den jeweiligen Nutzen der Strategie und der daraus abgeleiteten Ziele sowohl der Geschäftsführung als auch den einzelnen Mitarbeitern zu verdeutlichen. Als Nachhaltigkeitsmanager sind sie ein Mediator im Unternehmen mit sehr vielen Berührungspunkten von der Geschäftsführung bis zu den Mitarbeitern in der Fertigung. Man kommt mit nahezu allen Abteilungen des Unternehmens sowie den Kunden, als auch mit den Lieferanten in Berührung.

Und als Abschlussfrage: Sehen Sie sich eher als reflektierten Entscheider, als tatkräftigen Macher oder als hartnäckigen Optimisten? Können Sie uns ein Beispiel hierfür nennen?

Ich würde mich als reflektierten Optimisten beschreiben. Ich sehe mich als eine Mischung aus  reflektiertem Entscheider, hier lässt sich mein ingenieurwissenschaftlicher Hintergrund nicht verleugnen, und ein Stück weit auch aus einem hartnäckigen Optimisten. Nehmen Sie bspw. die Abstimmung von Nachhaltigkeitszielen in einem Unternehmen: Sie müssen, um hier überzeugen zu können, schon sehr genau überlegen, was dieses Ziel für das Unternehmen und die einzelnen Bereiche bedeuten, sonst wird sie diese Fragestellung spätestens bei der Operationalisierung bzw. der Zielerreichung wieder einholen. Wenn es Ihnen hier jedoch an Hartnäckigkeit fehlt, werden sie alsbald die Flinte ins Korn werfen und auch hier ist wieder ein langer Atem gefragt.


Interview: Katrin Heeren

Wer sich weiter zu diesem Themengebiet mit uns und anderen Interessierten austauschen möchte, ist herzlich in unsere Xing-Gruppe „MBA Sustainability Management, Leuphana Universität Lüneburg“ eingeladen!

Archiv: 2. Teil der Interview-Reihe

Mit fliegenden Hüten: MBA-Absolventen feiern Abschluss

Titelverleihung an der Leuphana Universität Lüneburg: Nach bewährter Tradition lassen Absolventen des MBA Sustainability Management vor Lüneburgs historischer Altstadtkulisse ihre Master-Hüte fliegen.

Lüneburg, den 15. September 2013

Seit 2003 Tradition am CSM – In tradionellen Talaren geht es mit Schwung in eine neue Lebensphase

Kaum ein größeres Unternehmen kommt heutzutage ohne eine professionelle Nachhaltigkeitsabteilung aus. Auch immer mehr Mittelständler entwickeln nachhaltige Geschäftsideen und schaffen so neue Märkte. Eine weitreichende  Entwicklung zu deren Chancen schon jetzt 30 Uni-Absolventen viele neue Ideen haben: Als frischgeprüfte Nachhaltigkeitsmanager des MBA-Studiengangs „MBA Sustainability Management“ der Leuphana Universität Lüneburg erhielten sie jetzt ihre Abschlusszeugnisse.


Institutsleiter Prof. Stefan Schaltegger begrüßt die Gäste zur MBA-Abschlussfeier im Glockenhaus in der Lüneburger Altstadt

Die Motive der Absolventen sind vielfältig: Sie wollen Unternehmen ökologisch und sozial verantwortungsvoller gestalten. Oder Verwaltungen und öffentliche Organisationen für ökologisch sinnvolle Arbeitsprozesse gewinnen und sie gleichzeitig wirtschaftlich erfolgreicher machen. Vor diesem Hintergrund zieht der Weiterbildungsstudiengang Fachleute aus den unterschiedlichsten Bereichen an: Juristen, Mediziner, Ingenieure, Wirtschafts- oder Naturwissenschaftler entscheiden sich für das MBA-Studium. Gemeinsam treibt sie die Idee an, neue Lösungen zu finden und dabei gleichzeitig ein wenig die Welt zu verbessern.


Insgesamt 30 Absolventen und Absolventinnen haben in diesem Jahr ihr MBA-Fernstudium am Centre for Sustainability Management erfolgreich beendet.

Neue Unternehmensansätze verändern die Wirtschaftswelt

Die Absolventen kamen an diesem Wochenende aber nicht nur nach Lüneburg, um ihre MBA-Urkunden entgegenzunehmen. Auf der jährlichen Netzwerkkonferenz „Home Coming Days“ tauschten sie sich vom 13. bis 15. September mit Experten aus, knüpften persönliche Kontakte und kamen mit Referenten aus Wissenschaft und Wirtschaft ins Gespräch. In diesem Jahr stand die Veranstaltung unter dem Motto „Nachhaltigkeitswandel durch neue Unternehmenskonzepte“. Gemeinsam wurden die Chancen der neuen Geschäftsmodelle diskutiert. Dabei wurde immer auch der Bogen zur sozialen Dimension von ökonomischen Prozessen geschlagen. Der Höhepunkt des feierlichen Wochenendes war dann eine große Geste: Als Zeichen des Aufbruchs jubelten sich die Absolventen mit einem schwungvollen Hutwurf in den neuen Lebensabschnitt. Eine Tradition, die vor allem von amerikanischen Universitäten bekannt ist und auch im MBA-Programm von Beginn an gefeiert wird.

Vor historischer Kulisse feiern die Absolventinnen und Absolventen mit ihren Familien

Bewerbungsschluss für den MBA Sustainability Management am 30. September 2013

Der MBA Sustainability Management vereint seit 2003 die Vermittlung von Fachkenntnissen und Soft Skills mit Themen des Nachhaltigkeitsmanagements. Er wird vom Centre for Sustainability Management (CSM) im Rahmen der Professional School angeboten, in der die Weiterbildungsangebote der Leuphana Universität Lüneburg angesiedelt sind. Das berufsbegleitende MBA-Fernstudium ist der weltweit erste universitäre MBA zu Nachhaltigkeitsmanagement und Corporate Social Responsibility (CSR). Das Studium richtet sich an Personen, die einen Karrieresprung anstreben und nachhaltige Entwicklung in ihren jeweiligen Berufsfeldern vorantreiben möchten. Interessierte können sich bis Ende September für den Studienjahrgang 2014 bewerben

www.sustainament.de

„Green Skills“ – Interview mit Enrico Bauer

„Green Skills“, sind zurzeit in aller Munde. Was genau verbirgt sich eigentlich hinter dieser vermeintlichen Zauberformel? Was unterscheidet diese „Green Skills“ von „Soft Skills“ und wo kann man sie erwerben?

Ein Blick in die Stellenanzeigen zeigt, dass sie immer öfter  gesucht werden – die Expert/innen des Nachhaltigkeitsmanagements, die mit kühlem Sachverstand und hoher Nachhaltigkeitsexpertise beherzt zur Sache gehen.

Hier erfahren wir, wie die Nachhaltigkeits-Expert/innen vorgehen, ob man ihnen den Roten Teppich ausrollt und auf Stellen mit Nachhaltigkeitsbezug alles wie von selbst läuft, ob sie gegen Widerstände und Beharrungskräfte kämpfen müssen, um Neuerungen und Änderungen voranzubringen, und mit welchen Strategien sie zum Erfolg gelangt sind.

In dieser Reihe präsentieren wir Ihnen Persönlichkeiten, die es geschafft haben: Reflektierte Entscheider, tatkräftige Macher und hartnäckige Optimisten – Change Agents for Corporate Sustainability!

Enrico Bauer ist als Champion für Sustainability innerhalb und außerhalb des Unternehmens UBS im Einsatz. Nach langjähriger Selbständigkeit ist er über eine inspirierende Sabbatical-Zeit, verbunden mit dem Studium des MBA Sustainability Management, in eine verantwortungsvolle Position bei UBS gelangt. Seit sieben Jahren baut er hier nun die Aktivitäten zum Nachhaltigkeitsmanagement immer weiter aus, hierzu gehören auch die Gründung und Linienverantwortung des Competence Center Environmental & Social Policy im Wealth Management.

Das Interview:

Herr Bauer, Sie haben während Ihres Sabbaticals nach langjähriger Selbständigkeit entschieden, das Studium des MBA Sustainability Management aufzunehmen. Was hat Sie dazu bewogen, noch einmal zu studieren, und warum ein MBA im Nachhaltigkeitsmanagement?

Das MBA-Studium am CSM bot mir eine ausgezeichnete Gelegenheit, die 20-jährige Karriere als IT-Ingenieur und Projektberater mittels fundierter Grundkenntnisse in Betriebswirtschaft und strategischem Nachhaltigkeitsmanagement komplett in eine neue Richtung zu lenken. Mein persönliches Ziel war und bleibt ganz klar, meiner professionellen Arbeit einen höheren Sinn zu geben durch wirtschaftlich tragfähige Lösungsansätze für unsere immer komplexer werdenden Umwelt- und sozialen Probleme.

Als Selbständiger hatten Sie verschiedene Unternehmen. In welcher Branche waren Sie damals aktiv, und wie sah Ihr Arbeitsalltag als Selbständiger aus? Unterscheidet sich dieser stark von Ihrem heutigen Tagesablauf?

Hauptsächlich war ich als Unternehmensberater für globale Finanzinstitute im Projektgeschäft und in der Personalvermittlung tätig. Zudem investierte ich in diverse Startup-Firmen, u.a. im Medizinbereich, in der Ausbildung und im Coaching. Mein Arbeitsalltag war sehr intensiv und geprägt von vielen Kontakten und Opportunitäten, die es laufend zu prüfen galt. Die hohe Arbeitsintensität konnte ich in freier Wahl immer wieder durch gezielte Auszeiten kompensieren, was ein großes Freiheitsgefühl vermittelte. Dies musste jedoch durch disziplinierten Arbeitseinsatz „verdient“ werden.

Mittlerweile sind Sie als Angestellter in einem Großunternehmen (UBS) tätig. Wie ist es, als ehemaliger Unternehmer nun plötzlich wieder im Angestelltenverhältnis zu stehen? Können Sie Ihren Unternehmergeist hier mit einbringen?

Diese Frage wird mir oft gestellt. In der Tat fiel mir der Schritt zurück in eine reguläre Anstellung wesentlich schwerer als der Schritt in die unternehmerische Freiheit. Ich tat ihn aber bewusst und ohne Reue, da ich bei UBS Chancen erhielt, Neues zu lernen und eine andere Art der Verantwortung zu tragen – im Einklang mit den Bedürfnissen meiner Familie. Als ehemaliger Unternehmer fällt es mir auch heute nicht schwer, in einem Großbetrieb wie UBS manchmal gegen den Mainstream zu schwimmen und Dinge über den eigenen Zuständigkeitsbereich hinaus zu bewegen – was vor allem im Nachhaltigkeitsbereich notwendig und durchaus akzeptiert ist, sofern die Leistungen im Kernkompetenzbereich nicht darunter leiden.

War Ihr jetziger Arbeitsbereich von Anfang an auf Nachhaltigkeit ausgerichtet, und welche Gestaltungsspielräume hatten Sie in dieser Hinsicht?

Jein: Mit der Gründung der „Policy Framework & Competence Centers“- Einheit unter meiner Leitung innerhalb von Wealth Management wurde vor allem angestrebt, die Umsetzung von regulatorischen Auflagen entlang unserer internen Weisungen global einheitlich und effektiv sicherzustellen. Im Vordergrund steht dabei das Management der zentralen operationellen Risiken unserer Bank. Nachhaltigkeitsmanagement im Sinne von Business Opportunitiäten ist zwar diesbezüglich auch ein Ziel, das wir verfolgen, aber relativ untergeordnet innerhalb meiner Einheit. Dennoch konnte ich mit der Etablierung des Competence Centers „Environmental & Social Policy“ erreichen, dass die Risiken wie auch Opportunitäten gleichermaßen abgedeckt sind. Hierbei ist die enge Zusammenarbeit mit anderen Funktionsbereichen und zunehmend mit externen Stakeholdern essentiell.

Wie haben Sie es geschafft, Aspekte des Nachhaltigkeitsmanagements stärker in Ihre Tätigkeit zu integrieren? Welche Fähigkeiten stehen hierbei aus Ihrer Sicht im Vordergrund?

Wie bereits erwähnt, sollte man im „angestammten“ Kompetenzbereich (in meinem Falle Compliance und derzeit operationelles Risk Management) eine gute interne Reputation durch einen soliden Leistungsausweis aufbauen. Dann geht es darum, sich als „Champion“ für Nachhaltigkeit bei passender Gelegenheit immer wieder konstruktiv und kreativ einzubringen. Beides erfordert eine gehörige Portion Geduld, Mehrarbeit, Networking, Fach- und Organisationswissen und vor allem Sensibilität für die entscheidende Momente. Also alles Eigenschaften, die auch von einem Unternehmer gefordert sind. Am wenigsten bringen zusätzliche akademische Titel, auch wenn mir der MBA Sustainability Management sehr geholfen hat, in Sachen Nachhaltigkeit auf die Sprünge zu kommen.

Es klingt ganz so, als wäre es die Kombination aus Fachwissen und Kompetenz, Netzwerkaufbau und –pflege und strategisch ausgerichtetem langfristigen Engagement, die zum Erfolg führt.  Beim Stichwort Kompetenz kommen wir direkt zu den magischen „Green Skills“. Was verstehen Sie persönlich darunter?

Ein weiteres Buzzword… lassen Sie mich raten: Alle Fähigkeiten, die ein erfolgreicher Nachhaltigkeits-Manger benötigt.

Können Sie uns eine passende Anekdote aus ihrer Karriere als Nachhaltigkeits-Manager erzählen?

Gerne. Dazu kommt mir in den Sinn, dass die formelle Gründung des zuvor erwähnten Competence Centers und die passende personelle Besetzung keinesfalls „von oben“ angeordnet wurden. Vielmehr ergab sich nach mehreren Vorgesprächen mit internen Stakeholdern einmalig die Situation, dass ich während des Sabbaticals meines Vorgesetzten, in der Funktion als sein Linien-Stellvertreter, die ausgeliehenen Kompetenzen durchaus aktiv nutzte, um einen „Firmenstreich“ zu realisieren und die offizielle Verankerung im Rahmen der globalen ISO 14001 Governance zu erwirken. Das zeigt, dass nachhaltiges unternehmerisches Agieren eine große Portion Vertrauen durch die oberste Unternehmensführung voraussetzt und gewisse persönliche Risiken übernommen werden müssen. In diesem Falle war es eine erfolgreiche Geschichte.

Und als Abschlussfrage: Sehen Sie sich eher als reflektierten Entscheider, als tatkräftigen Macher oder als hartnäckigen Optimisten?

Ich hoffe als ausgewogene Kombination dieser Rollen.

Herr Bauer, herzlichen Dank für das Interview!


Interview: Katrin Heeren

Wer sich weiter zu diesem Themengebiet mit uns und anderen Interessierten austauschen möchte, ist herzlich in unsere Xing-Gruppe „MBA Sustainability Management, Leuphana Universität Lüneburg“ eingeladen.

www.sustainament.de

Sustainable Finance: Centre for Sustainability Management erhält yourSRI.com – Patenschaft

yourSRI.com ist eine der weltweit führenden Datenbanken rund um das Thema Nachhaltigkeit und ermöglicht einen einfachen Zugang in das Themenfeld der nachhaltigen Geldanlagen. Die Datenbank listet Hintergrundinformationen über 1.100 Unternehmen mit mehr als 1.500 Investmentprodukten und 1.200 Research-Dokumenten.

Nachhaltige Geldanlagen gewinnen stetig an Bedeutung. Im MBA Sustainability Management beleuchtet das Modul „Sustainable Finance“ das Thema ausführlich. Die Patenschaft erweitert nun die Recherchekapazitäten für die Mitglieder des Centre for Sustainability Management (CSM) der Leuphana Universität Lüneburg: Im Rahmen des Sponsorings steht dem CSM und den Studierenden des MBA Sustainability Management ein kostenloser Jahres-Zugang zu yourSRI.com zur Verfügung.

Die Patenschaft wird von der European Education Initiative for Sustainable Finance getragen. Sie verfolgt das Ziel Forschende, Lehrende und Studierende bei der Informationssuche, dem Wissensaufbau und der Forschung rund um nachhaltiges Wirtschaften und Investieren zu unterstützen und zu fördern.

Zugang: yourSRI-Datenbank

Green Skills

Green Skills“, sind zurzeit in aller Munde. Was genau verbirgt sich eigentlich hinter dieser vermeintlichen Zauberformel? Was unterscheidet diese „Green Skills“ von „Soft Skills“ und wo kann man sie erwerben?

Die Situation dürfte den meisten vertraut sein: Ein Unternehmen beschließt eine Nachhaltigkeitsstrategie und will Nachhaltigkeitsmessungen und –eine entsprechende Berichterstattung einführen. Etwas ratlos wird in der Personalabteilung nachgefragt, wer sich im Unternehmen damit auskennen könnte. Wer hat die Qualifikationen, um die Maßnahmen umzusetzen und wer kann die Kolleg/innen zur Mitarbeit motivieren? Wenn die Antwort vor allem aus ratlosem Schweigen besteht, sind Sie in bester Gesellschaft. Manchmal jedoch erinnert man sich: Da gibt es doch jemanden in der und der Abteilung X, eine Frau-wie-hieß-sie-noch-gleich, die diesen MBA Studiengang Sustainability Management studiert.

Ein Blick in die Stellenanzeigen zeigt, dass sie immer öfter gesucht werden – die Expert/innen des Nachhaltigkeitsmanagements, die mit kühlem Sachverstand und hoher Nachhaltigkeitsexpertise beherzt zur Sache gehen.

In dieser Reihe präsentieren wir Ihnen Persönlichkeiten, die es geschafft haben: Reflektierte Entscheider/innen, tatkräftige Macher/innen und hartnäckige Optimisten/innen – eben Change Agents for Corporate Sustainability!

Monique Isenheim, Gründerin von „Green In Berlin“, ist eine von ihnen. Nach vier Jahren im Business-to-Business Bereich bei Bayer Healthcare wechselte sie in den Non-Profit Sektor. Von Berlin über die Bay Area Green Tours in Kalifornien führte ihr ungewöhnlicher Weg sie nach Sydney, wo sie heute beim WWF, dem World Wide Fund for Nature, strategische Partnerschaften mit Schlüsselunternehmen aus Branchen wie der Papierindustrie und dem Einzelhandel aufbaut und betreut. Eines ihrer beruflichen Standbeine befindet sich dabei jedoch weiterhin in Berlin: Ihr Projekt „Green In Berlin“ erfreut sich regen Zulaufs.

Das Interview:

Frau Isenheim, was hat Sie bewogen, sich aus Ihrer erfolgreichen Position bei Bayer Healthcare heraus noch einmal weiterzubilden, warum ein MBA Sustainability Management?

Ich wollte gern meine professionellen Erfahrungen und Fähigkeiten einsetzten, um Dinge zu bewegen, die mir persönlich sehr wichtig sind. Unternehmerische Tätigkeiten sind einerseits die Ursache vieler Umweltprobleme. Gleichzeitig können innovative Unternehmen nachhaltige Lösungen entwickeln und das Verhalten von Kunden, Lieferanten und Wettbewerbern beeinflussen. Der MBA führt genau diese Themen – Wirtschaft und Nachhaltigkeit – zusammen.

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DESY: Teilchenforschung und „beschleunigte“ Nachhaltigkeit!?

DESY Unternehmensworkshop

Workshop-Teilnehmende bei DESY in Hamburg

Nicht nur Unternehmen setzen vermehrt auf Nachhaltigkeit, auch nicht gewinnorientierte Organisationen haben das Thema für sich erkannt und sind neugierig auf nachhaltige Ideen und Konzepte. Aus diesem Grunde sind 20 Studierende des MBA-Studiengangs in Nachhaltigkeitsmanagement zu einem einwöchigen Workshop vom 18.-22. Februar beim Deutschen Elektronen-Synchrotron (DESY) in Hamburg, um diese Entwicklung weiter voranzutreiben und mit ihren Ideen zu unterstützen. Weiterlesen

Spanning Boundaries for Alternative Aviation Fuels

Biomass production for energy purposes has risen considerably in recent years. The biggest growth in this area has been in the production of liquid biofuels for the transportation sector using agricultural crops as an alternative feedstock to crude oil. The largest amount of liquid biofuel is produced form either ethanol (based on sugar or starch based crops) or biodiesel (based on oil-bearing crops). From this development, agricultural production has crossed the boundary from mainly producing food to a raw material for energy production. However, the large expansion of energy crops, induced by growing demand and supported by new energy and environmental policies, is not without problems. It generates increasing competition for natural resources, notably land and water, and it can also cause negative social (e.g. “land grabbing” by investors) and environmental impacts (e.g. water and biodiversity problems). Weiterlesen

Nachhaltigkeit im Versandhandel – Erwartungen und Potentiale

Memo Box

Bild: memo AG

„Wir verfolgen in unserem Logistik-Zentrum bewusst das Prinzip der voll-chaotischen Ordnung“, erklärte Stefan Deerberg den Teilnehmern des Wissensforums „Nachhaltiger Versandhandel“ bei der Führung durch das Logistikzentrum der Deerberg Versand GmbH in Lüneburg. So werden Retouren nicht etwa sortenrein zurücksortiert, sondern im nächstgelegenen freien Regalplatz untergebracht. Das EDV-System erkennt den Ort und führt die Lagermitarbeiter bei der nächsten Bestellung sicher zu dem Produkt.

Zahlreiche Versandhändler aus Niedersachsen waren der Einladung des Innovationsverbundes Nachhaltiger Mittelstand (INaMi) und der Deerberg Versand GmbH am 6. Februar 2013 gefolgt, um sich über Perspektiven des Nachhaltigkeitsmanagements im Versandhandel auszutauschen. Weiterlesen

Goldrausch – Zukunftsschmiede Nachhaltiger Schmuck gestartet

Goldringe - fairer Schmuck

Bild: www.thomas-becker-schmuck.de

Seltsam. Die ganze Welt jagt zurzeit nach Gold, doch die Lebensbedingungen derjenigen, die das begehrte Edelmetall ans Licht der Welt bringen, werden von der Öffentlichkeit geflissentlich ignoriert. Zwar gibt es seit kurzem in Großbritannien ein Label für eco-fair-Gold, doch für Deutschland steht diese Entwicklung noch aus. Weiterlesen

Spanning Sustainability Management Boundaries through Transdisciplinarity

It is widely acknowledged that no single actor can ‘win the race against unsustainability’. Cooperation is necessary to tap diverse bodies of knowledge, bundle resources, include various parties, and thus ultimately create more sustainable and socially robust solutions. Transdisciplinarity in research offers a way forward. Weiterlesen