Die Twin Transition zählt zu den größten Herausforderungen unserer Zeit. Doch was genau verbirgt sich hinter diesem Konzept? Es geht darum, die nachhaltige und die digitale Transformation von Wirtschaft und Gesellschaft zusammenzudenken und gemeinsam voranzutreiben. Wie können KMU digitale Technologien gezielt einsetzen, um Ressourcen zu sparen, neue Märkte zu erschließen und gleichzeitig ihren CO₂‑Fußabdruck zu senken? Der Beitrag zeigt praxisnahe Handlungsfelder, erklärt Stolpersteine wie Rebound‑Effekte und liefert konkrete Beispiele.
Ein Gastbeitrag von Sarah Herrlein aus dem MBA-Netzwerk
Handlungsfelder und Herausforderungen der Twin Transition
Doch wie können Unternehmen die Potenziale digitaler Technologien gezielt für die grüne Transformation nutzen? Handlungsfelder und Möglichkeiten für kleine und mittlere Unternehmen (KMU) erscheinen nahezu unbegrenzt. Über alle Wirtschaftssektoren hinweg hat die Digitalisierung das Potenzial, den Energie- und Ressourcenverbrauch und damit Kosten zu reduzieren sowie umweltschädliche Abfallprodukte zu minimieren.
Nachhaltig-digitale Geschäftsmodelle ermöglichen die Erschließung neuer Märkte, während digitalisierte und zugleich nachhaltige Prozesse für mehr Effizienz und Resilienz sorgen können. Schließlich können Unternehmen durch die Twin Transition einen aktiven Beitrag zu den Sustainable Development Goals (SDGs) der Vereinten Nationen leisten – den globalen Zielen für nachhaltige Entwicklung.
Trotz aller Potenziale hinterlassen Technologien einen Fußabdruck. Sie verbrauchen Energie und wertvolle Rohstoffe, nicht nur bei der Herstellung der Hardware, sondern auch während der Nutzung und in der Entsorgungsphase. Hinzu kommen mögliche Rebound-Effekte: Effizienzsteigerungen, die ursprünglich Ressourcen einsparen sollten, können teilweise wieder aufgehoben werden – und zwar, wenn die gesunkenen Kosten zu einer verstärkten Nutzung führen. Daher ist es essenziell, auch die Nachhaltigkeit der digitalen Technologien selbst kritisch zu hinterfragen und von Anfang an mitzudenken.
Klimaschutzpotenzial digitaler Technologien
Laut einer Studie des Digitalverbands Bitkom kann der Einsatz digitaler Technologien einen bedeutenden Beitrag zur Erreichung der Klimaziele leisten. Je nach Szenario könnten bis zum Jahr 2030 netto zwischen 43 und 80 Millionen Tonnen CO₂ eingespart werden. Das entspricht 14 bis 26 Prozent des angestrebten Minderungsziels von 308 Millionen Tonnen CO₂ – bereits unter Berücksichtigung des CO₂-Fußabdrucks der digitalen Technologien selbst.
Digitalisierung als Treiber für mehr Nachhaltigkeit: Welche Technologien spielen eine Rolle?
Die Bandbreite an Technologien, die KMU auf dem Weg zu mehr Nachhaltigkeit unterstützen können, ist äußerst vielfältig. Digitale Technologien wie Künstliche Intelligenz, Sensorik und Robotik können dazu beitragen, Prozesse effizienter zu gestalten, Ressourcen zu schonen und mehr Transparenz zu schaffen. Digitale Zwillinge – also die virtuelle Nachbildung eines physischen Objekts oder Prozesses, die dessen Eigenschaften und Verhalten digital abbildet und simuliert – ermöglichen eine präzisere Steuerung von Produktionsabläufen und Energieverbrauch. Letztlich spielen technologische Entwicklungen im Bereich der erneuerbaren Energien, der Batterie- und Speicherlösungen sowie Recyclingtechnologien eine zentrale Rolle bei der Dekarbonisierung und Ressourcenschonung.
Praxisbeispiele aus dem Mittelstand
Die Druckerei Lokay zeigt, wie sich durch den Einsatz von 100 % Ökostrom, nachhaltigen Materialien und digitaler Prozessoptimierung ein klimapositiver Betrieb gestalten lässt. Die Bäckerei Dompierre aus München nutzt digitale Lösungen, wie die App Too Good To Go , um Lebensmittelverschwendung zu reduzieren und gleichzeitig neue Kundengruppen zu erreichen. Ein weiteres Beispiel ist die Fahrgemeinschafts-App des Chemiepark Gendorf, Die App vermittelt auf der Basis von KI Analysen Fahrgemeinschaften für Pendelnde und verbindet dabei intelligent Fahrten mit dem Auto und dem ÖPNV. Digitale Innovationen können entscheidend dazu beitragen, ökologische Verantwortung und wirtschaftliche Effizienz im Mittelstand miteinander zu verbinden.
Fazit: So kann die Twin Transition im Unternehmen gelingen
Eine erfolgreiche Twin Transition beginnt nicht bei null. Der erste Schritt besteht darin, Potenziale zu erkennen, wie digitale Technologien zu mehr Nachhaltigkeit beitragen können – etwa durch Effizienzsteigerung, Ressourcenschonung und CO₂-Reduktion.
Unternehmen können dafür zunächst analysieren, wo in ihren Prozessen Energie, Material oder Zeit eingespart werden kann, und anschließend prüfen, welche digitalen Technologien diese Potenziale am besten unterstützen. Dabei sollte auch der ökologische Fußabdruck der Technologien beachtet und Rebound-Effekte vermieden werden.
Inspirationen dafür liefert das Twin-Transition-Tool des RKW Kompetenzzentrums. Zahlreiche praxisnahe und inspirierende Beispiele zeigen, wie sich nachhaltige und digitale Transformation erfolgreich miteinander verknüpfen lassen – passgenau zu verschiedenen Zielen und Technologiethemen.

Sarah Herrlein ist Referentin für Digitalisierung & Innovation beim RKW Kompetenzzentrum. Als Expertin für nachhaltige Digitalisierung unterstützt sie kleine und mittlere Unternehmen (KMU) dabei, innovative Lösungen für eine zukunftsfähige Wirtschaft zu entwickeln. Beim RKW hat sie die Entwicklung des Twin Transition Tools verantwortet. Sarah Herrlein studierte im 12. Jahrgang des berufsbegleitenden MBA Sustainability Management.
Links (extern) zum Weiterlesen:
Nachhaltig.Digital (Deutsche Bundesstiftung Umwelt)
Bits & Bäume (IÖW – Institut für ökologische Wirtschaftsforschung)
Digitainability: Marktpotenziale und strategische Implikationen digitaler Technologien für ökologisch nachhaltiges Wirtschaften (acatech – Deutsche Akademie der Technikwissenschaften)
Digitale Nachhaltigkeit (Umweltbundesamt )
Digitale Transformation (Wuppertal Institut)
Digitalisierung und Nachhaltigkeit (B.A.U.M. e. V.)
Doppelte Transformation (Fraunhofer Gesellschaft )
Nachhaltige Digitalisierung (Öko-Institut e. V.)
Foto: Birgit Marzy / Titelbild: Screenshot Twin-Transition-Tool RKW
Als Gastautor*innen teilen Studierende und Alumni des berufsbegleitenden MBA Sustainability Management an der Leuphana Universität Lüneburg ihr Wissen, ihre Praxiserfahrungen und ihre Lösungsansätze zu Herausforderungen des Nachhaltigkeitsmanagements.
Sind Sie CSM-Studierende*r oder CSM-Alumni und haben Sie ein Thema, zu dem Sie einen Beitrag beisteuern möchten? Senden Sie Ihren Vorschlag gern an Anna Michalski (csm-kommunikation@leuphana.de).









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