Neueste Artikel

Plastic Credits in Sambia – MBA-Absolventin Inga Skowranek im Interview

Wie kann man das globale Problem des Plastikabfalls lösen? MBA-Alumna Inga Skowranek hat Kunststoffgutschriften (Plastic Credits) zum Thema Ihrer Masterarbeit gemacht und analysiert, wie sie als Teil der Lösung zu einer erweiterten Herstellerverantwortung (Extended Producer Responsibility) beitragen können. Für ihre Masterarbeit hat sie in einer Feldstudie vor Ort die Abfallwirtschaft in Lusaka, Sambia, untersucht. Die herausragende Arbeit wurde mit dem Master-Thesis-Award 2023 des CSM-Alumni e.V. ausgezeichnet. Wie man Plastic Credits nutzen kann und warum genau Sambia besonders interessant ist, berichtet Inga Skowranek im Interview.

Die Masterarbeit „Plastic Credits and the Extended Producer Responsibility (EPR) – An Analysis of Opportunities and Challenges of PC for the EPR Implementation in Lusaka, Zambia“ ist als Buch und Open-Access-PDF im Verlag Tectum erschienen.

Reisen wir doch mal in die fachliche Welt deiner Masterarbeit. Was hast du untersucht und wie bist du darauf gekommen?

Ich habe mich mit dem Thema Plastic Credits und der erweiterten Herstellerverantwortung (Extended Producer Responsibility) am Beispiel Lusaka in Sambia auseinandergesetzt. Angefangen habe ich mit dem Thema Plastic Credits, beziehungsweise mit dem Thema Abfall. Wie kann man mit dem Plastikabfall umgehen? Welche Themengebiete sind spannend und haben auch einen praktischen Nutzen, anstatt nur in der Schublade zu landen? Durch einen privaten Kontakt konnte ich mich in Sambia vernetzen und dort hilfreichen Input und viele Daten sammeln. Denn das Thema Plastic Credits ist noch sehr abstrakt. Was dahintersteckt: Als Produzent kann man freiwillig Plastik Credits kaufen und mit dem Geld wird dann lokal die Sammlung oder auch das Recycling von Plastik finanziert. Mit meiner Arbeit trage ich dazu bei, zu verstehen, wie man Plastic Credits nutzen kann, ohne dass es zu Greenwashing verkommt.

Kannst du das detaillierter erklären, für jemanden, der noch nie von Plastic Credits gehört hat?

Plastic Credits sind so etwas wie eine Gutschrift. Das bedeutet, dass ich einen bestimmten Betrag für eine bestimmte Menge, z.B. Kilogramm oder Tonnen, Plastikmüll zahle, der irgendwo auf der Welt auftaucht. Am Beispiel Sambia heißt das: Eine Firma, die dort produziert oder Waren dahin exportiert, muss – im Gegensatz zu Europa – keine Plastikabgaben leisten. Als Produzent kann eine Firma aber theoretisch einen freiwilligen Beitrag leisten und somit das Prinzip des Plastic Credits anwenden. Das bedeutet zum Beispiel, dass eine Tonne Plastik 100 bis 1000 Euro kostet.

Das gezahlte Geld wird dann an verschiedenen Orten der Welt, zum Beispiel in Lusaka, verwendet, um Müllsammler, Recyclinganlagen, den Transport von Plastik, usw. zu bezahlen. Im Gegenzug erhält die produzierende Firma in den meisten Fällen ein Zertifikat oder Marketingmaterial.

Es hat viel mit der Imagebildung zu tun. Je nachdem, wie viel man bezahlt, kann es aber mehr als nur Imagebildung sein und tatsächlich eine hohe Relevanz haben. Die Gefahr von Greenwashing ist dabei immer noch relativ hoch, da es derzeit noch keine einheitlichen Standards oder Qualitätssicherungen gibt. Es wird daran gearbeitet, Standards dafür zu entwickeln.

Und das war ein Kern deiner Arbeit, dich mit diesen Kriterien zu beschäftigen?

Auch, genau. Zunächst ging es darum, zu verstehen, wie Plastic Credits funktionieren, denn auch das ist je nach Anbieter unterschiedlich. Ich habe analysiert, wie der idealtypische Ablauf von Plastic Credits aussehen sollte und welche Risiken und Gefahren dahinterstecken können. Dann ging es auch darum zu untersuchen, was die erweiterte Herstellerverantwortung ausmacht und auf welche Kriterien sie einzahlt. Die Kombination dieser beiden Themen habe ich lokal auf Lusaka in Sambia bezogen. Am Ende habe ich zehn Handlungsempfehlungen entwickelt.

Was hat dich besonders interessiert an dem Thema?

Auch an mir geht es nicht vorbei, wenn ich die großen Plastikmüllberge sehe. In den letzten Jahren ist das Thema immer wieder aufgetaucht und hat mich berührt. Der Plastikmüll ist auch mir im Urlaub begegnet und in Gespräche mit Freunden aus Sri Lanka war es ein präsentes Thema.

Es gibt einfach Themen, die immer wieder auftauchen, aber in verschiedenen Gewändern. Das war auch bei dem Thema Plastikabfall so.

Ich finde es toll, wie Unternehmen neue Materialien entwickeln, aber der bereits vorhandene Plastikmüll bleibt trotzdem ein Problem. Durch die Firma, die mich bei der Datensammlung unterstützt hat (Dank an BlackForest Solutions GmbH), habe ich zudem viele weitere Informationen zum Thema Abfallwirtschaft und -management erhalten. Durch diesen Austausch habe ich erst gemerkt, wie relevant das Thema ist und welchen Impact Firmen dadurch erzeugen könnten. Jetzt gerade in Sambia und sogar auf dem ganzen Kontinent Afrika ist so viel Bewegung in der Entsorgungsbranche und einer neuen, nachhaltigeren Entwicklung.

Warum ist es gerade jetzt besonders relevant?

Stand jetzt ist es so, dass es verschiedene Bewegungen gibt, sowohl in Sambia als auch in anderen afrikanischen Ländern, die den gesamten Kontinent nachhaltiger aufstellen wollen. Dazu gehört auch die erweiterte Produzentenverantwortung und das Thema Plastic Credits. Nicht jeder einzelne Produzent wird sich darum kümmern, seinen Beitrag zu berechnen und die gesamte Organisation des Recyclings vor Ort zu übernehmen. Das bedeutet, dass es andere Organisationen braucht, die sich darum kümmern und das Gesamtpaket für die Produzenten klären. Das heißt, ein Unternehmen schickt alle Informationen an diese Organisationen, die sich darum kümmern, dass alle lokalen Aspekte vor Ort berücksichtigt werden, dass alle Daten berechnet werden. Und an diesem System wird gerade gearbeitet. Zudem ist es auch interessant festzustellen, dass es über das Thema Plastic Credits in Kombination mit der erweiterten Produzentenverantwortung noch keine wissenschaftlichen Arbeiten gibt.

Du hast eine Region auf dem afrikanischen Kontinent untersucht. Was ist dort anders als in Asien?

Ich würde sagen, der größte Unterschied ist, dass sehr viele Unternehmen, auch im Rahmen von Plastic Credits oder bei Maßnahmen zur Reinigung der Flüsse, sich stark auf Asien konzentriert haben, weil dort die Müllmenge extrem hoch  und sehr präsent ist. Ich bin mir nicht ganz sicher, warum das so ist, aber als ich in Lusaka war, fühlte es sich anders an. Der Müll ist auch überall präsent, er liegt einfach überall auf den Straßen und die Müllkippen sind wirklich beeindruckend groß oder eher erschreckend groß. Asien hat eine andere Präsenz. Vielleicht liegt das daran, dass Bilder von Wasser mit Müll beeindruckender wirken als die großen Müllkippen auf dem Land.

Dann springen wir vielleicht direkt mal vor Ort nach Lusaka. Wie ist es überhaupt zu der Feldforschung gekommen? Was hast du da dort gemacht?

Ursprünglich war Feldforschung nicht für meine Masterarbeit geplant. Aber als ich Schwierigkeiten hatte, die Daten zu bekommen, die ich für die Masterarbeit benötigte, war ich sehr frustriert und entschied, selbst hinzureisen. Als ich vor Ort war, bekam ich eine Projektmanagerin an die Seite gestellt, die mich dann begleitete. Wir waren dann sieben oder acht Tage lang einfach an verschiedenen Stellen unterwegs. Ich bin zu Müllkippen gefahren und habe verschiedene Wohnviertel besucht. Dann habe ich die Menschen dort auch befragt: Wann kommt eigentlich die Müllabfuhr? Kommt sie regelmäßig? Wer kommt eigentlich? Wie wird das organisiert? Wie teuer ist das? Zudem durfte ich auch mit den Müllsammlern vor Ort sprechen sowie mit dem Betreuungspersonal des städtischen Rates, das für die Instandhaltung zuständig ist. Das war toll. Jeder hat mit mir gesprochen. Der Plan war, tolle Videoaufnahmen zu machen und richtige Interviews durchzuführen. In Wahrheit konnte ich immer nur fünfminütige Gespräche führen und einfache Fotos machen. Aber das war ausreichend, denn am Ende ging es darum, die Prozesse vor Ort zu validieren. Zudem habe ich auch Zugriff auf Dokumente und Informationen erhalten, was nur durch Online-Recherche nicht möglich gewesen wären.

Ganz spannend war, dass es so unsagbar viele Beteiligte gibt, die permanent wechseln. Zu wissen, wen man fragen muss, war die größte Hürde – auf politischer und auf operativer Ebene. Die meisten haben gerne gesprochen und erzählt, wenn es nicht zu konkret wurde.

Was sind vor Ort in Lusaka die großen Herausforderungen? 

Die größten Herausforderungen sind wirklich diese riesigen Müllkippen. Ich kann mir einfach nicht vorstellen, wie man das alles beseitigen kann. Selbst wenn man jeden Tag Tausende von Tonnen wegschafft, recycelt oder verbrennt, kann ich mir nicht vorstellen, dass es jemals verschwindet.

Es ist wie eine Berglandschaft und ich spreche hier nur von einer Müllkippe. Mir wurde erzählt, dass es an jedem Ort solch riesige Müllkippen gibt. In Lusaka fand ich es extrem. Und es war beängstigend, dass an manchen windigen Tagen dort die ganzen dünnen Plastiktüten durch die Gegend fliegen und es aussieht, als seien die Büsche dir dort wachsen nur aus Plastiktüten.

Das andere ist auch, dass unglaublich viele Menschen von diesem Müllsammeln leben und dabei nicht viel verdienen. Sie rennen 8 bis 12 Stunden über diese Müllkippe oder durch die Stadt und sammeln den Müll und haben dann am Ende ein paar Euro, von denen sie die ganze Familie finanzieren müssen. Das ist wirklich beeindruckend und furchterregend zugleich, weil es so viele sind.
Zudem sieht man vor Ort auch den Kontrast zwischen Armut und Reichtum ganz extrem. Und ich war sozusagen in allen diesen Extremen, denn morgens stand ich auf dieser Müllkippe und abends saß ich dann in einer netten Cocktailbar.
Was ich toll fand, waren die Gespräche, die ich geführt habe. Selbst die Müllsammler wirkten wirklich optimistisch und irgendwie positiv.

Du hast die Herausforderung, die riesigen Müllberge, beschrieben. Welchen Ansatz hast du in deiner Masterarbeit entwickelt, um dem zu begegnen?

Am Ende glaube ich, dass zwei Ergebnisse entstanden sind. Das erste ist die Berechnung der Plastic Credits. Das klingt zunächst recht banal, aber es ist eben verhältnismäßig schwierig, weil es so wenige Daten gibt. Wenn es dann um das Thema Greenwashing geht, stellt sich die Frage, wie viel Geld eine Firma benötigt, um den Plastikmüll zu beseitigen. Also was ist die Mindestsumme für Plastic Credits? Dann stellen sich natürlich auch Fragen nach Profitanteil, Kosten für den Invest in Infrastrukturen …. In Kürze: Was kostet ein valides Business Modell ohne Greenwashing?

Das zweite, was ich total spannend fand, war der Aktionsplan und die Frage, wie man Plastic Credits und die erweiterte Produzentenverantwortung im lokalen Kontext zusammenbringen kann. Ganz konkret habe ich mir angeschaut, welche Möglichkeiten es für Plastic Credits in Lusaka gibt. Daraus habe ich diese zehn Handlungsempfehlungen herausgearbeitet, die einen Mehrwert schaffen können.

Was sind die Fallstricke bei Plastic Credits?

Eine der größten Herausforderungen besteht darin, einen validen Preis festzulegen. Das nächste ist das sogenannte „legal binding“. Die Herausforderung bestehen darin, dass Plastic Credits noch freiwillig sind und es keine Regularien gibt, die den Kauf verpflichtend machen. Dann gilt es zu hinterfragen, wie man wirklich einen Impact mit Plastic Credits schaffen kann.

Wenn ein Produzent 20.000 Tonnen Plastik produziert und dann nur 1.000 Tonnen Plastik refinanziert, stellt sich die Frage, wer sich um die restlichen 19.000 Tonnen kümmert. Und das hat natürlich wenig Impact.

Eine weitere Herausforderung bei dem Thema ist eben auch die Nachvollziehbarkeit und die Transparenz. Wie kann man nachvollziehen, was mit dem Plastik passiert und ob das passiert, was einem versprochen wird?
Zudem ist es wichtig, sich auch die lokalen Bedingungen anzuschauen. Die Menschen vor Ort haben meistens eine eigene Expertise entwickelt, wenn es um den Müll vor Ort geht. Man kann nicht einfach bestimmen, wie es dort ablaufen sollte, sondern muss eng mit den Menschen vor Ort zusammenarbeiten. Und wirklich bedeutend ist hier, darüber nachzudenken und genau zu schauen was neue wirtschaftliche Systeme oder Modelle wie die Plastic Credits mit den Menschen und deren Alltag und auch Einkommen machen. Stichwort Müllsammler:Innen. Wie kann man sicherstellen, dass sie mitgedacht werden?

Und ich hatte es schon erwähnt, ein weiteres wichtiges Thema ist die Standardisierung bei der Zertifizierung für Plastic Credits. Kann man wirklich bei jedem Anbieter dasselbe kaufen? Hat man dann denselben Impact? Bekommt man dasselbe für das gleiche Geld?

Du hast dein Partnerunternehmen angesprochen, der Zweitprüfer kam aus einem Unternehmen. Warum sind privatwirtschaftliche Akteure wichtig in diesem ganzen Thema?

In Sambia ist das gesamte Thema Müll einfach wahnsinnig kostenintensiv. Sambia, beziehungsweise die Stadt Lusaka, verfügt wie jede andere Region nur über ein bestimmtes Budget. Die Stadt oder die Region müsste sich mit diesem Budget um die riesigen Müllkippen kümmern, aber die Kosten dafür sind einfach immens hoch und dafür fehlt das Geld. An manchen Stellen fehlt auch die Expertise. Die Idee ist, dass die Privatwirtschaft an diesen Stellen Geld und Know-How mitbringt. Mit dem Ziel mittel- und langfristig die lokale Wirtschaft zu stärken.

Klar ist schon heute, Abfall ist ein Ressource und mit dieser kann man Geld verdienen. Und das ist ein so gutes Beispiel, in dem man Nachhaltigkeit mit dem Business Modell oder einem Business Case verbinden kann.

Es ist spannend zu sehen, was Firmen durch das Thema Plastic Credits bewegen können. Wenn man anfängt das System zu ändern, kann man neue Jobs schaffen und Menschen die Chance auf ein sicheres Gehalt geben. Und dafür braucht man die Privatwirtschaft, weil es aus öffentlichen Geldern schwierig ist.

Wenn man privatwirtschaftliche Akteure einbindet, wie kann das erfolgreich sein?

Sie müssen viel vor Ort sein. Das ist wichtig, um zu verstehen, wie die ganzen Systeme und Menschen dort funktionieren. Und am Ende ist es viel Vertrauensaufbau, Partner auszuwählen, denen man vertrauen kann und mit denen man gemeinsam etwas schafft. Und das Wichtigste ist, gemeinschaftlich zu arbeiten und jedem zu erlauben, seinen Teil beizutragen. Die Partner vor Ort haben ein ganz anderes lokales Know-how und sie haben ein anderes Netzwerk, das die Zusammenarbeit mit privatwirtschaftlichen Akteuren erfolgreich machen kann.

Du hast die Arbeit veröffentlicht. Was war das für ein Prozess? Und wie hat das geklappt? .

Das ist eher aus Versehen passiert. Angefangen hat es damit, dass ich netterweise den Master-Thesis-Award für meine Arbeit erhalten habe. Das hat mich motiviert, zu prüfen, ob ich meine Arbeit veröffentlichen kann. Während meiner Recherche bin ich auf eine Werbeanzeige eines Verlags gestoßen, der Masterarbeiten veröffentlicht. Ich habe meine Bewerbung dort eingereicht und sehr schnell eine positive Antwort erhalten, dass sie meine Arbeit spannend finden. Daraufhin habe ich mich entschieden, eine kostenfreie PDF-Version meiner Arbeit zu veröffentlichen und diese auch als Buch anzubieten. Ich musste mich dann um einen Titel kümmern sowie um Bilderrechte. Der Verlag hat dann alles umgesetzt, und irgendwann kam das PDF mit dem gesamten Inhalt. Das war großartig. Schließlich war auch das Buch verfügbar, und jetzt gibt es einen schönen Link, über den man alles herunterladen kann. Ich bin jetzt sogar bei Amazon mit dem Buch vertreten, was ich wirklich absurd finde.

Was erhoffst du dir von der Veröffentlichung?

Ich glaube, am Ende verfolge ich damit zwei Ziele. Das eine Ziel ist tatsächlich die Entscheidung für das Open-Access-PDF, weil ich selbst sehr wenig zu dem Thema Plastic Credits gefunden habe. Ich möchte, dass andere sich durch meine Arbeit einlesen können. Außerdem habe ich die Hoffnung, dass meine Arbeit auch auf andere Bereiche angewendet werden kann. Ich glaube, es ist eine Herangehensweise, die man gut adaptieren kann und vielleicht hat sie auch Relevanz für andere Themen.

Du hast deinen Aktionsplan schon angesprochen. Was hat du geschlussfolgert?

Einer der wichtigsten Punkte ist Plastic Credits nicht als eigenständiges Tool zu verstehen, sondern in einem Gesamtkontext zu sehen. Denn das Risiko ist extrem hoch, dass man Sachen kaputt macht, bevor sie entstehen können. Die Einbindung in einem Kontext und in etwas Größeres finde ich wichtig. Was ich außerdem gelernt habe, ist lokale Spezifika anzuschauen.

Hast du Tipps für MBA-Studierende, die vor ihrer Masterarbeit stehen?

Nimm ein Thema, zu dem es Daten gibt. Für mich war das eine der schwierigsten Herausforderungen, dorthin zu kommen und Daten zu sammeln. Ein weiterer Tipp wäre auch, daran zu denken, was das persönliche Ziel der Masterarbeit ist. Die Arbeit kann eine Art Eintrittskarte sein für das, wofür man sich beruflich interessiert. Für mich war es nicht einfach nur eine Arbeit, die ich irgendwie schreibe, sondern sie legt für mich einen Grundstein, um mit Menschen auf einer anderen Ebene reden zu können. Insbesondere da ich aus einem ganz anderen Bereich komme.

Aus welchem Bereich kommst du und wie bist du zum MBA-Studium gekommen? Und was nimmst du mit jetzt in deinem Rucksack?

Ich komme aus dem Bereich Digitale Produktentwicklung, Change Management und Agile Transformation. Irgendwie hatte ich immer das Gefühl, dass mir noch ein Baustein fehlt. So bin ich zufällig über diese Themen gestolpert und dann beim MBA gelandet. Ich hatte immer den Eindruck, dass ich gerne vieles von dem, was ich schon gelernt hatte in meinem Berufsleben, anders einbringen könnte. Nachhaltigkeit ist ein so großes Thema, aber jetzt habe ich eine Einordnung der Thematiken und bin durch meine Masterarbeit beim Thema Abfall gelandet. Durch den MBA habe ich gelernt, wie ich mit Komplexität in der Nachhaltigkeit umgehen kann und welche Methodiken ich auch dort wieder anwenden kann. Und das Netzwerk ist natürlich fantastisch, auch jetzt noch. Die Menschen in diesem Netzwerk sind so sehr an Kollaboration interessiert. Alle sind bereit, ihr Wissen zu teilen. Und das ist wirklich etwas Schönes und extrem Wertvolles.

Vielen Dank für die spannenden Einblicke, Inga Skowranek.

Das Interview führte Anna Michalski, Centre for Sustainability Management (CSM) der Leuphana Universität Lüneburg.


Über den MBA Sustainability Management Master-Thesis-Award

Der Master-Thesis-Award wird jährlich vom CSM-Alumni e.V. für herausragende und besonders innovative und/oder praktisch relevante Masterarbeiten vergeben. Die Masterarbeit verfassen die Studierenden in der Abschlussphase des MBA Sustainability Management und bearbeiten ein Thema des Nachhaltigkeitsmanagement wissenschaftlich fundiert und tiefgehend.

Links zum Weiterlesen:
Masterarbeit „Plastic Credits and the Extended Producer Responsibility (EPR) – Open-Access-PDF
Website Inga Skowranek
CSM-Alumni e.V.
MBA Sustainability Management

Fotos: Inga Skowranek (Sambia), Anna Lorscheider (Master-Thesis-Award)

MBA-Toolbox 20/20: Multi-Stakeholder-Dialog

In unserer „MBA-Toolbox Sustainability Management“ stellen wir insgesamt 20 Tools aus 20 Jahren MBA Sustainability Management vor. Wir geben ein Intro zu wichtigen Werkzeugen des Nachhaltigkeitsmanagements, liefern Einblicke in die Praxis und stellen Personen aus unserem Netzwerk vor. Heute: Multi-Stakeholder-Dialog. Wie kann der Austausch mit vielfältigen Stakeholdern gelingen?
Einblicke aus der Praxis kommen von Generation Restoration: In der Toolbox berichtet MBA-Alumna Tina Teucher über die Erfahrung mit dem Multi-Stakeholder-Dialog zum Thema ‚Flüchtlingcamps als regenerative Orte‘. Wie kann man eine größtmögliche Partizipation möglicher Anspruchgruppen ermöglichen? Was wäre, wenn Flüchtlingscamps regenerative Orte der Hoffnung wären? Aus dem Multi-Stakeholder-Dialog ist 2023 der Verein Generation Restoration e.V. entstanden, der an diesen relevanten Fragen intensiv weiterarbeitet.

Weiterlesen

MBA-Toolbox 19/20: Netzwerke

In unserer „MBA-Toolbox Sustainability Management“ stellen wir insgesamt 20 Tools aus 20 Jahren MBA Sustainability Management vor. Wir geben ein Intro zu wichtigen Werkzeugen des Nachhaltigkeitsmanagements, liefern Einblicke in die Praxis und stellen Personen aus unserem Netzwerk vor. Heute: Netzwerke – Gemeinsam statt einsam Nachhaltigkeitstransformation vorantreiben. Mit dabei sind die MBA-Stammtische.: In der Toolbox berichten die MBA-Stammtische aus Lüneburg, München und dem Rheinland über ihre Erfahrungen bei der Durchführung ihrer lokaler Netzwerktreffen.

Weiterlesen

MBA-Toolbox 18/20: Integrated & Sustainability Reporting

In unserer „MBA-Toolbox Sustainability Management“ stellen wir insgesamt 20 Tools aus 20 Jahren MBA Sustainability Management vor. Wir geben ein Intro zu wichtigen Werkzeugen des Nachhaltigkeitsmanagements, liefern Einblicke in die Praxis und stellen Personen aus unserem Netzwerk vor. Heute: Integrated & Sustainability Reporting – umfassender Blick auf finanzielle und nichtfinanzielle Leistungsfaktoren. Mit dabei ist B.A.U.M. e.V.: In der Toolbox berichtet Yvonne Zwick, Vorsitzende des Netzwerks für nachhaltiges Wirtschaften, über den Blick der Mitgliederunternehmen auf das Thema.

Weiterlesen

MBA-Toolbox 17/20: Nachhaltigkeitssiegel

In unserer „MBA-Toolbox Sustainability Management“ stellen wir insgesamt 20 Tools aus 20 Jahren MBA Sustainability Management vor. Wir geben ein Intro zu wichtigen Werkzeugen des Nachhaltigkeitsmanagements, liefern Einblicke in die Praxis und stellen Personen aus unserem Netzwerk vor. Heute: Nachhaltigkeitssiegel – wie Zertifizierungen Kaufentscheidungen beeinflussen können. Mit dabei ist PRIMAVERA: In der Toolbox zeigen wir am Beispiel des Naturkosmetik-Herstellers, wie das Prüfverfahren des GREEN BRANDS-Gütesiegels abläuft.

Weiterlesen
Gruppenfoto vom Abschluss-Workshop des MBA Sustainability Management bei Lutz Aufzüge

Up and down: MBA-Abschlussworkshop bei Lutz Aufzüge

Lieferketten, Produktentwicklung, Flottenmanagement, Wartung und Mitarbeitenden-Kommunikation – das war eine intensive Woche, in der 29 Studierende des MBA Sustainability Management viele spannende Themen beackert haben. Eine Woche lang arbeiteten sie vor Ort in Reinbek bei Hamburg mit Lutz Aufzüge zusammen und im Rahmen des Abschlussworkshops entstanden Nachhaltigkeitskonzepte für das mittelständische Familienunternehmen.  

„Up und down“ passt gleich im doppelten Sinne auf die Woche: Es beschreibt das Kernprodukt des Workshoppartners – Aufzüge für Wohn- und Geschäftshäuser und Industrieanlagen vom Personenaufzug, Autoaufzug, Bettenaufzug bis zum Paternoster – und die unterschiedlichen Phasen der Workshopwoche. Die Challenge: Innerhalb von fünf Tagen komplexe Nachhaltigkeitsthemen, die den Workshoppartner bewegen, tiefgehend analysieren und konkrete Lösungsansätze entwickeln. Und zwar mithilfe der im MBA-Studium aufgebauten Fach-, Persönlichkeits- und Handlungskompetenzen und dem individuellen Wissens- und Erfahrungsschatz aus Beruf und Erststudium – und in Gruppenkonstellationen, die so häufig zum ersten Mal zusammenarbeiten. Unter hohem Zeitdruck fanden sich die Studierenden als Teams zusammen und bearbeiteten die Aufgabenstellungen.

„Wie bei jedem Projekt, das in möglichst kurzer Zeit möglichst viel erreichen will, gibt es die ganze Bandbreite von der Erkenntnis bis zum Tal der Tränen. Dass am Ende ein gutes Ergebnis herauskommt, funktioniert nur im Team. Deshalb noch einmal vielen Dank an mein Team, das Team von CSM und die große Lutz-Familie!“

Eva Herrmann, Workshop-Teilnehmerin aus dem 20. MBA-Jahrgang

„Ich bin beeindruckt davon, wie effizient wir uns in wissenschaftlicher Tiefe innerhalb weniger Tage in die diversen Themen mit Nachhaltigkeitsbezug einarbeiten konnten. Die Resultate waren beeindruckend und motivierend. Der Einblick in ein mittelständisches Maschinenbauunternehmen war für mich eine neue Erfahrung.“

Bentje Lefers, Workshop-Teilnehmerin aus dem 20. MBA-Jahrgang

Am Ende präsentierten die Studierenden ihre Ergebnisse – passgenaue Nachhaltigkeitskonzepte sowie strategische Handlungsempfehlungen – einer Jury aus Unternehmensvertreter*innen und Expert*innen: Von Lutz Aufzüge waren Geschäftsführer Christian Gmelin, Personalleiterin Petra Krieger und Anette Behn, Referentin Personalentwicklung & Ausbildung, dabei, als Externe Nienke Berger, Referentin Nachhaltigkeitsmanagement bei der Hamburger Hochbahn.

„Eine Woche voller inspirierender Ideen und leidenschaftlicher Diskussionen über Nachhaltigkeit mit engagierten Studierenden!“

Lisa Bauer (Nachhaltigkeitsmanagerin und Produktmanagement), Organisatorin der Workshopwoche auf Seite von Lutz Aufzüge GmbH

Zu Gast bei einem Familienunternehmen: Workshoppartner Lutz Aufzüge

Die Lutz Aufzüge GmbH wurde 1927 gegründet, ist inhabergeführt und fertigt in der dritten Generation Aufzüge. Ihr Angebot umfasst die Planung, Fertigung und Installation von Aufzügen sowie Reparatur, Service, Modernisierung und Restaurierung. Aufzuganlagen tragen an vielen Orten zu Barrierefreiheit bei – zu sozialer Nachhaltigkeit leistet das Unternehmen so mit seinem Produkt damit schon einen Beitrag. Dem Thema Nachhaltigkeit hat sich das mittelständische Unternehmen aber auch auf weiteren Ebenen angenommen und unter anderem den Produktionsstandort mit Photovoltaikanlagen versehen, um unabhängig von fossilen Energieträgern zu werden. Weitere Ziele, an denen gearbeitet wird: Den Ressourcenverbrauch senken, den Lebenszyklus der Aufzüge verlängern und Ansätze des zirkulären Wirtschaftens in die Praxis umsetzten Emissionen in der Nutzungsphase reduzieren und ein gutes und faires Arbeitsumfeld schaffen. Zu einigen dieser Themen haben die MBA-Studierenden in dieser Woche Impulse und Konzepte erarbeitet.

„Es hat richtig viel Spaß gemacht, wir haben bereits jetzt gute Impulse für unsere weiteren Planungen erhalten und freuen uns auch über die große Menge Energie, die von unseren Gästen erhalten haben.“

Marcello Pantke, Geschäftsführer Lutz Aufzüge GmbH

„Der Workshop bei Lutz Aufzüge bot ein ideales Umfeld, zur intensiven und konkreten Bearbeitung aktueller Fragen des Nachhaltigkeitsmanagements. Wie kann ein mittelständisches Unternehmen Nachhaltigkeitsherausforderungen so managen, dass es nicht von Regulatorik getrieben, sondern durch Chancen motiviert und zu einem Treiber des Nachhaltigkeitswandels wird?“

Prof. Dr. Stefan Schaltegger, Studiengangsleiter MBA Sustainability Management, Centre for Sustainability Management (CSM)

Fünf anspruchsvolle Aufgabenstellungen, eine Woche Zeit

Die Fragestellungen werden jedes Jahr in engem Austausch zwischen Unternehmen, Studiengangsleitung und Lehrenden entwickelt. Sie behandeln spezifische Aspekte der nachhaltigen Unternehmensführung. Themen waren u.a. die Entwicklung eines Konzepts für nachhaltiges Lieferkettenmanagement, das das Lieferkettensorgfaltspflichtengesetz (LkSG) berücksichtigt, und eines Konzepts für ein nachhaltiges Flottenmanagement für den Kundenservice am Standort Berlin. Thema war auch – ganz vorn in der Wertschöpfungskette – die Produktentwicklung: Wie kann man Nachhaltigkeit erhöhen, angesichts der Nutzung von energieintensiven Komponenten wie Stahl und Glas und einem hohen Individualisierungsgrad in der Planung und Fertigung? Und wie könnten Circular Economy-Ansätze umgesetzt werden?

„Eine spannende und bereichernde Projektwoche. Die in kürzester Zeit erzielten Arbeitsergebnisse der Studierenden sind beeindruckend, ideenreich und praxisnah.“

Stefan Andres (Kundendienstleiter), Themenpartner für Themenfeld 2: Entwicklung eines (E-) Mobilität/Flottenmanagements mit dem Ziel einer nachhaltigen Flotte bis 2027

„Eine bereichernde Woche mit klugen Köpfen, um den CO2-Fußabdruck unserer Produkte besser zu verstehen und direkt am Produkt zu reduzieren. Ein großer Schritt Richtung Nachhaltigkeit!“

Sebastian Lüsebrink (Leiter Technik), Themenpartner für Themenfeld 3: Erstellung eines Konzepts für nachhaltige Produktgestaltung und Materialauswahl inklusive einer Environmental Product Declaration und Vergleich von Best Practices

Die intensive Auseinandersetzung bleibt nicht auf die Woche im Unternehmen beschränkt: Im Nachgang verfassen die Studierenden einen umfangreichen Abschlussbericht, der die Impulse in das Unternehmen trägt.

Nachhaltigkeitsmanager*innen vor Ort im Unternehmen

Der Abschlussworkshop ist einer der Höhepunkte des Weiterbildungsstudiengangs MBA Sustainability Management. Jedes Jahr arbeitet das Centre for Sustainability Management (CSM) der Leuphana Universität mit neuen Kooperationspartnern zusammen, um das anspruchsvolle Lehrformat zu realisieren. Die Verknüpfung von Wissenschaft und Praxis kommt sowohl Studierenden als auch Unternehmen zugute: Für die angehenden Nachhaltigkeitsmanager*innen ist der Workshop eine Feuertaufe, für Unternehmen bedeutet er neue Impulse und Innovationschancen.

Das Centre for Sustainability Management (CSM) dankt Lutz Aufzüge und den Mitgliedern der Jury für den herausfordernden und spannenden Workshop.

Fotos: Lutz Aufzüge, Katharina Guhl

Weiterlesen:
Website Lutz Aufzüge – Nachhaltigkeit
MBA Sustainability Management

Gastbeitrag: Herausforderungen der Transformationsfinanzierung – Ist Basel IV eine ungewollte Bremse?

Die Transformation hin zu erneuerbaren Energien erfordert enorme Investitionen. Banken spielen bei der Finanzierung eine Schlüsselrolle. Doch die neuen Basel-IV-Regeln – ein Regelwerk mit Kapitalvorschriften für Banken – erschweren die Kreditvergabe an Unternehmen der Energiewende, findet Daniel Weiß aus dem MBA-Netzwerk. In seinem Gastbeitrag erklärt er Basel IV und beschreibt den Zielkonflikt zwischen Finanzstabilität und Transformationsfinanzierung – auch für Laien, die nicht tief im Thema „Sustainable Finance“ stecken. Wie kann dieser Herausforderung begegnet werden?

Weiterlesen

MBA-Toolbox 16/20: Nudging

In unserer „MBA-Toolbox Sustainability Management“ stellen wir insgesamt 20 Tools aus 20 Jahren MBA Sustainability Management vor. Wir geben ein Intro zu wichtigen Werkzeugen des Nachhaltigkeitsmanagements, liefern Einblicke in die Praxis und stellen Personen aus unserem Netzwerk vor. Heute: Nudging – Wie nachhaltiges Verhalten leichter gemacht wird. Mit dabei ist ProjectTogether: In der Toolbox zeigen wir, wie die soziale Organisation mit dem Projekt Circular Futures Nudging-Methoden testete, um Mehrwegkonzepte in der Gastronomie zu fördern.

Weiterlesen

MBA-Toolbox 15/20: Cause-Related Marketing

In unserer „MBA-Toolbox Sustainability Management“ stellen wir insgesamt 20 Tools aus 20 Jahren MBA Sustainability Management vor. Wir geben ein Intro zu wichtigen Werkzeugen des Nachhaltigkeitsmanagements, liefern Einblicke in die Praxis und stellen Personen aus unserem Netzwerk vor. Heute: Cause-Related Marketing – Zusammenarbeit von Unternehmen mit gemeinnützigen Organisationen. Mit dabei ist Krombacher: In der Toolbox zeigen wir, wie sich die Brauerei das Konzept des Cause-related Marketings zunutze machte.

Weiterlesen

Organisationen hacken – 4 Fragen an Sebastian Möller

Der neue Sammelband Organisationen hacken. Einfallstore in eine nachhaltige Arbeitswelt, den Sebastian Möller vom CSM mitherausgegeben hat, geht in 23 Gesprächen den vielseitigen Gestaltungsspielräumen innerhalb von Organisationen auf die Spur und zeigt auf, was alles möglich wird, wenn wir uns von eingespielten Routinen lösen und etablierte Regeln hinterfragen. Im Buch geht es um sehr unterschiedliche Organisationen – von Start-ups und Handwerksbetrieben über Supermärkte, Stiftungen und Fußballvereine bis hin zu Schulen und Hochschulen. Für den CSM-Blog haben wir mit Sebastian über dieses Buchprojekt gesprochen.

Was sind deine wichtigsten Erkenntnisse aus der Arbeit am Buch?  

Gerade in Bezug auf das Nachhaltigkeitsmanagement gibt es in der Praxis einen großen Bedarf an sogenannten best practice Lösungen und das kann ich auch verstehen. Die Organisationsgestalter*innen, mit denen wir das Buch gemacht haben, sind aber gerade deshalb so erfolgreich, weil sie nicht einfach ein fertiges Rezept angewendet haben, sondern bestehende Regeln hinterfragen und gemeinsam mit Kolleg*innen etwas Neues ausprobieren. Die nachhaltigsten Veränderungen sind diejenigen, die aus der Mitte einer Organisation heraus entstehen und dementsprechend kontext- und bedarfssensibel sind. Daher ist unser Buch voller good practice Beispiele, die Denk- und Handlungsanstöße geben, ohne dabei den Möglichkeitsraum einzuschränken. Wir brauchen schließlich nicht die eine große, sondern sehr viele mittlere und kleine Transformationen. Mich hat zudem sehr beeindruckt, welche kreative Kraft entstehen kann, wenn Organisationen Raum für individuelle und kollektive Lern-, Gestaltungs- und Reflexionsprozesse geben bzw. wenn sich Organisationsmitglieder diesen Raum einfach nehmen.

Was versteht ihr unter dem Begriff des Hackens?

Unter institutional hacking, wie wir es im Buch nennen, verstehen wir einen spezifischen Modus der Organisationsgestaltung jenseits des Dienstwegs, bei dem pragmatisch, wertegeleitet und unkonventionell nach neuen Lösungen für ganz konkrete Probleme gesucht wird, und zwar im praktischen Tun. Beim Hacken dringen die Gestalter*innen an Stellen in Systeme ein, an denen dies nicht unbedingt vorgesehen war und verändern sie dann von innen zum Besseren. Dabei werden etablierte Regeln verworfen und reformuliert. Der Begriff des Hackens war zunächst eine Intuition und hat sich im Laufe der gemeinsamen Arbeit mit den Praxisakteuren, also den Hacker*innen, immer weiter geschärft. Tatsächlich war das Buch dadurch auch transdisziplinäre Begriffsarbeit.

Was ist das Besondere an eurem Buch?

Das Buch ist persönlicher und humorvoller als vergleichbare Publikationen. Das liegt auch daran, dass Humor und die Möglichkeit, sich als ganze Persönlichkeit zeigen und einbringen zu können, aus unserer Sicht sehr wichtige Gestaltungsressourcen sind. Wir wollten kein Buch über die Praxis, sondern eines mit der Praxis machen. Daher sind die Menschen, mit denen wir für dieses Buch gesprochen haben, auch jeweils Co-Autor*innen der Buchkapitel. Damit stellen wir gleichzeitig eine neue Gattung transdisziplinärer Forschungsliteratur zur Diskussion. Die Texte sind über mehrere Wochen und z.T. Monate als schriftliche Gespräche im Ping Pong zwischen den Autor*innen entstanden, wobei beide den Text kommentiert und schrittweise weiterentwickelt und verdichtet haben. Anders als beim narrativen Interview führen wir in dieser Methode Datenerhebung und Datenauswertung zusammen. Weil wir damit methodisches Neuland betreten, sind wir hier besonders auf Feedback gespannt.

Wem würdest du die Lektüre des Buchs empfehlen und warum?

Ich glaube das Buch können alle mit Gewinn (und vielleicht sogar Genuss) lesen, die Lust auf Veränderung und nachhaltigere Organisationen haben. Wer selbst schon Erfahrungen in der Organisationsgestaltung gemacht hat, bekommt durch die Lektüre neue Reflexionsgelegenheiten und kann das Verständnis des eigenen Tuns und seiner Bedingungen vertiefen. Wer selbst gern etwas anders machen möchte, sich aber noch nicht so recht traut, kann mit dem Buch Ermutigung tanken. Wer genug hat von schlechten Nachrichten und dem nicht-nachhaltigen Status quo, kann durch die vielen Geschichten gelungener Veränderung neuen Optimismus finden. Unser Buch kann dabei auch sehr selektiv gelesen werden, da jedes Kapitel für sich steht. Schaut doch mal rein, ob etwas für euch dabei ist!

Weiterlesen:

Lars Hochmann & Sebastian Möller (Hrsg.) (2024): Organisationen hacken. Einfallstore in eine nachhaltige Arbeitswelt. Mümchen: oekom Verlag.

Der Sammelband ist open access erschienen und kann hier heruntergeladen werden:

https://www.oekom.de/buch/organisationen-hacken-9783987260858